Uli Mariss und seine verwerfliche Tat werden heute also ohne jeden Vorbehalt in den bunten Kranz unserer Alp- und Geister- sagen eingeflochten und in dieser wohl unverbindlichsten Form unserer Jugend dargeboten. Den märchenhaften, phantasievollen Darstellungen, wie etwa der Entstehung der «Dreischwestern» und der Versteinerung der Schmalzbettler — um nur zwei zu nennen — werden also Uli Mariss und sein Verrat angefügt. Es ist bei dieser Darstellungsweise nicht verwunderlich, dass man die Erzählung um Uli Mariss immer mehr für ein mehr oder weniger frei erfundenes Märchen hält. //. Ulrich Mariss in Chroniken und anderen Druckwerken Die Suche nach schriftlichen Quellen ergab interessante und wie es zu erwarten war auch von einander abweichende Ergeb- nisse. Um dem Leser ein eigenes Urteil zu ermöglichen, führe ich die einschlägigen Stellen in alten und neueren Werken wort- wörtlich an. Die früheste Erwähnung des Ulrich Mariss fand ich in der Prugger'schen Chronik, die im Jahre 1685 in Feldkirch gedruckt und verlegt wurde. Die diesbezügliche Stelle lautet: «Die Schweizer und Pündtner, wegen angezogenem Über- und Einfall mehr erhitzet, mit Zuzug der Zürcher, Sargan- ser, Glariser, Appenzeller, St. Galler, Luzerner, Schwyzer, Unterwaldner und Zuger, zusammen in die 7000 Mann, giengen auch über den Rhein und wider die Unsrigen der Letzi zu. Worauf die Unsrigen 300 Schützen auf dem Berg prugger'sche Leutzengast, dazu 1500 Erzknappen aus Tirol, der stählerne Chronik (i685) Haufen genannt, neben den Berg verlegten, auf die Eidge- nossen zu warten; war auch alles in guter Ordnung, und würden die Schweizer schön empfangen sein worden, wenn nicht ein Verräther das ganze Spiel verderbt hätte. Denn ein falscher und geldbegieriger Bauer, mit Namen Ulrich Mariss von Schaan ab der Kirche, in diesem 1499sten Jahr den 20. Tag Aprilis, welcher war der Samstag vor Georgi Fest, die Schweizer verrätherischerweise durch heimliche Wege über die Berge geführt und die Unserigen 85
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.