Ein Haufe trennte sich in Schaan vom Hauptheere, um auf geheimen Wegen über Planken und Gafadura nach Frastanz zu gelangen. Diese Heerestruppe sollte dem Heere des Bun- des in den Rücken fallen. Aus der Kriegsnot jener Tage ist folgende Sage auf uns gekommen: Noch in frischer Erinnerung waren die Greuel, die die Eidgenössischen Soldaten durch Mord und Brand verübt hatten. So hatten sich beim abermaligen Nahen der Eidgenossen die Schaaner in die Berge geflüchtet. Oberhalb der alten Pfarrkirche wohnte Uli Mariss. Er allein blieb zurück, denn in seinem Herzen waren Geiz und Hab- sucht eingesessene Freunde. Mit seinen Schelmenäuglein listig zwinkernd, erbot er sich des Landes Feinde auf wenig begangenen Pfaden durch Wald und Dickicht in den Rük- ken der Schwäbischen zu führen. So ging's über Planken nach der Alpe Gafadura. Der Verräter zog voraus und streute aus seinem Sacke Erbsen auf den Weg, um ihn den Eidgenossen sicher anzuzeigen. So gelangten sie nach der Frastanzer Alpe Saroja und sahen schon die breiten Massen des feindlichen Heeres im Tale wogen. Heiss entbrannte da das Herz der Eidgenossen von wilder Schlachtbegier, und sie schickten sich an, gegen Amerlügen abzusteigen. Da verlangte Uli seinen Lohn. Er wollte ungesehen und mit Gold beladen nach Schaan zu- rückkehren. Der Hauptmann hiess ihn niederknieen, er werde den verdienten Lohn erhalten. Da zitterte das Ver- räterherz in habsüchtiger Freude, und schon sah er im vor- gehaltenen Hute der Goldstücke verlockenden Glanz. Aber o weh ! Da saust das Schwert eines Eidgenossen und trennt mit sicherem Hieb den Verräterkopf vom Rumpfe. Das war der gerechte Lohn für die verräterische Tat. Noch heute wird in Frastanz zum abschreckenden Gedächt- nis am Diensttag in der Kreuzwoche der Name des Ver- räters beim Feldumgang verlesen». 
Liechtenstein. Lesebuch 1955 84
        

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