drei Jahre später dieses Reh am Oberrhein als gesicherte Tatsache angenommen hätte. Die Herkunft der sibirischen Rehkronen in den alten Schlössern (z. B. Erbach, Zwingenberg, Salem) liess sich bisher in keinem Falle klären (wenn man von einer sehr unwahrscheinlichen Angabe «bei Rastatt im Walde gefunden», cf. LAUTERBORN, 1928, absieht), und mich überraschte daher die Angabe v. BURG's, Oberst CHALLANDE habe seine schöne Sammlung «aus den Sennhüten der Alpen zusam- mengetragen». — Ich habe 1961 im Naturhistorischen Museum in Bern die CHALLENDE-Kollektion besichtigt. Hierzu gehören 32 schädel- echte «Urbock»-Gehörne, die in jeder Beziehung typische Sibi- rier sind. Das schwächste und die beiden särksten Geweihe liegen mir (dank der Hilfe des Herrn Kollegen SÄGESSER) hier in mehreren Fotos vor. Die Stangen messen (in der Sehne): 25 (Nr. 42), 29 (Nr. 35) und 30 cm (Nr. 38). Soweit Angaben im Katalog vorhanden sind, heisst es nur «Sibirischer Altai». Nur bei Nr. 20 ist folgendes notiert: «Befand sich im Anfang dieses Jahrhunderts ob einer Stalltüre in Öhningen bei Stein, von wo ihn der verstorbene Oberrichter GNESSE nach Stein a. Rhein brachte — ich kaufte denselben Ao. 1883 für fs 600.—». Auf den Weg, den diese sibirischen Gehörne an die alpenländischen Bauernhäuser nahmen, bin ich in dem o. a. Referat schon eingegangen (Souvenirs, die Viehtreiber aus Russland mitbrachten, wenn sie Milch- viehtransporte per Treck dorthin geschafft hatten), und es bleibt dann auch nichts mehr, was ein Vorkommen des «Urbockes», also des re- zenten Sibirischen Rehes in den Alpen und in Westeuropa glaubhaft machen könnte. Stangen oder Geweihteile des Sibirischen Rehes, wie wir es aus den letzten Jahrhunderten kennen, sind auch in den dilu- vialen und postglazialen Fundstätten Europas nie zutage getreten. Dies ist auch schon deshalb nicht zu erwarten, weil die exzessive Geweih- bildung hochkapitaler Sibirier, wie sie als Trophäen aufbewahrt und in den Handel gebracht wurden, ohne Zweifel eine relativ junge Er- werbung 
der pygargus-Gruppe ist. Wie die Geweihe der mittel- und altpleistozänen, ausgereiften Sibirier aussahen, wissen wir nicht genau, und ist daher zur Zeit weder zu beweisen noch zu widerlegen, ob in früheren Perioden des Diluviums ein Zusammenhang des gesamten Formenkreises von Ost bis West zeitweilig bestand — jedenfalls nicht nach der Geweihfiguration dieser altertümlichen Rehe ! 329
        

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