noch festzustellen ist: es gibt leichte, d. h. weiter entwickelte, und starke, mehr an die eiszeitlichen Rehe gemahnende Sippen unter dem Rehwild. — Zu dem gleichen Schluss kommt man, wenn man die Massangaben HARTMANN-FRICKS's hinsichtlich der Extremitätskno- chen berücksichtigt. — Damit stellt sich dann aber die Frage, wie das diluviale Reh des Westens im einzelnen aussah. Zunächst wissen wir. dass das eiszeitliche Reh Westeuropas, wie überall, grösser war als das rezente (v. LEHMANN, 1960 b), ich konnte aber schon 1957 in einigen Abildungen zeigen, dass die Sippenbildung schon damals, d. h. vom Altpleistozän an, sehr ausgeprägt war und verschiedene Geweihbildungen hervorrief. — Ebenso unterschiedliche Wuchsformen der Geweihe finden sich auch später unter den sub- fossilen Geweihstangen der Pfahlbaufunde im Berner Museum (ich danke hier nochmals herzlich Herrn Dr. SÄGESSER für das Heraus- suchen des Materiales und die Lichtbilder): Es gibt bei diesen gross- wüchsigen Rehen (Alveolenreihe der Backenzähne 67,3 mm) tief ge- gabelte Stangen mit starken Kranzrosen (fortschrittlich) und anderer- seits auch mehr «primitive» Formen mit hochsitzender kurzer Vorder- sprosse und schräg liegender, schwacher Dachrose. Das heisst also, mit dem Beginn der postglazialen Wärmezeit waren schon alle Ge- weihtypen beim westeuropäischen Reh vertreten, und nur durch die Grösse und Stärke der Knochen und Geweihe wa- ren manche Sippen noch lange Zeit im Alpenraum vom rezenten Klein- reh unterschieden (cf. v. LEHMANN, 1960 b). Es ist notwendig, an dieser Stelle ein Wort zum sogenannten «Urbock» zu sagen, der die Wände vieler Schlösser, Museen und Gast- häuser schmückt, imme noch eifrig von Fremdenführern als Produkt deutscher Wälder den staunenden Besuchern vorgesetzt wird und auch in der neueren wissenschaftlichen Literatur noch ab und zu eine fröh- liche Urständ erlebt. — Das Verdienst, erstmalig Klarheit über die Herkunft dieser — durchwegs kapitalen ! — sibirischen Rehkronen geschaffen zu haben, gebührt dem Engländer W. A. BAILLIE-GROH- MAN (fide H. TEGNER), wie ich schon in meinem Referat in der Zeitschrift für Jagdwissenschaft 1957, p. 130—131 ausführte, und es erübrigte sich hierauf nochmals einzugehen, wenn nicht v. BURG in seinem Rückblick (1925) dem Urbock in der Schweiz einen besonderen Abschnitt gewidmet und der Freiburgische Forstzoologe LAUTERBORN 328
        

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