Seine Naturgeschichte ist ja allgemein gut bekannt und es erübrigt sich ein näheres Eingehen darauf — nur die weitverbreitete Ansicht, dass der Dachs ein Winterschläfer wie das Murmeltier sei, muss revidiert werden. Es gibt Jahre — resp. Jahresfolgen — , in denen es viele Dachse gibt, oder mit denen man oft zusammenstösst und dann sind wieder Perioden, wo unser Freund fast unsichtbar ist. Auch Berufsjäger, die Tag und Nacht und bei der verschiedensten Witterung im Laufe des Jahres unterwegs sind, können dies bestätigen. Ich hatte hier im Lande besonders viele Zusammentreffen mit Dachsen in den Jahren 1945 bis 1948. Später dann weniger und jetzt schon einige Jahre gar keines. So war z. B. am 23. Mai 1945, zeitig früh, ein Dachs beim fürstlichen Meierhof ob dem Schlosse auf der Tennzufahrt. Dann wieder einer in der Nacht bei der Letzi am 30. 5. 1945 auf dem Fürstensträssle. Am 5. 6. 1945 machte sich ein Dachs abends am Fahrweg zwischen Steg und Sükka in ca. 1400 m Höhe zu schaffen. Am 9. 10. 1945 um 5 Uhr früh sah ich einen Dachs beim Nendler Steinbruch (500 m). Mit einem Worte in diesen Jahren sah auch ich öfters Dachse und erlegte 2 Stück. So am 16. 6. 1947 in Planken 817 m, den zweiten am 15. 9. 1948 im Iragell, 660 m. Einmal, es war am 9. 10. 1946, stiess ich bei der Pürsche auf den Brunft- hirsch in der T i d , 870 m, mit Leuten und ihrer Hundemeute zusammen, die da «daxna» gingen. Eine Jagdart auf den Dachs, die besonders früher weit verbreitet war, aber wegen der Störung der Reviere nächtlicherweise von den Jagdherren nicht mehr geduldet wurde. Der Hergang dieser Jagdart war fol- gender: Bei Einbruch der Nacht in der Zeit von Ende August bis Ende Oktober, also vom milchig werden des Maises über das Reifen der Trauben und des Obstes bis zu dessen Abfallen trafen sich 2 — 3 Männer mit einer Koppel Hunde. Diese Hunde waren grosse, starke bis gegen 60 kg schwere Bastarde von Boxern, Doggen und Sennenhunden. Mindestens 35 kg mussten sie schon haben, denn der in die Enge getriebene Dachs ist ein furchbarer Gegner. Nun warteten die Jäger bis sie glaubten, dass die Dachse schon möglichst weit von ihren Bauen gegen das Feld zu oder gegen die Obstgärten hin gewechselt wa- ren, und Hessen dann die Hunde los und zwar natürlich an bekannt guten Pässen. Die besten Plätze für die von Vaduz und Schaan operierenden Jäger waren die Wiesen des Gamanders, das Schaaner Neugut, dann bei Vaduz Maree, Iradetsch, weiterhin die Spaniarüfe am Ende des Friedhofes und der Meterhof Maschlina. Auch wurde vom Wildschloss aus Profatscheng erreicht und hier und im Berger Guggerboden gerne «gedaxnet». Hier oben wurden auch die stärksten Dachse bis zu 18 kg erbeutet. Es war besser im Finstem zu jagen als bei Mondschein, da die Dachse dann früher zu Felde zogen. Hatten die Hunde einen Dachs gestellt, so liefen, stolperten und rutschten die Jäger in aller Hast hin und fassten nun mit der Dachszange im Knäuel der balgenden Tiere zu, wehrten die ganz verrückten Hunde ab und erschlugen dann den gequälten Dachs. Dies war kein waidmännisches Tun, aber doch eine alt eingebürgerte Jagdart. Der Kampf der um sich beissenden Hunde mit dem Dachs, das Zu- greifen der Zange. Fauchen und Bellen. Knurren und Hächeln, flackerndes 312
        

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