Zum Problem der Artenpaare Unsere Spitzmäuse bieten ein gutes Beispiel für eine Erscheinung, die wir ganz allgemein bei sympatrischen Kleinsäugerarten, d. h. bei denen, die zusammen im gleichen Gebiet leben, kennen: es gibt mor- phologisch sehr ähnliche, aber durch die Grösse unterschiedene Arten (Paare). Wir kennen im gleichen Gebiet und Lebensraum das Grosse und das Kleine Wiesel, die Grosse und die Kleine Waldmaus, die Grosse und die Kleine Hufeisennase, und bei den Spitzmäusen sind es sogar drei Paare in drei Gattungen: Waldspitzmaus — Zwergspitzmaus, Wasserspitzmaus — Sumpfspitzmaus und Feldspitzmaus — Garten- spitzmaus. Es soll hier nicht untersucht werden, welchen Umständen und Kräften diese Formen ihre Enstehung verdanken; vermutlich spielte die Körpergrösse bei der Herausbildung dieser Kleinsäuger keine entscheidende auslesende Rolle, sondern die Arten entstanden, nach unserer Vorstellung, getrennt in verschiedenen Räumen mit viel- leicht etwas abweichenden Umweltverhältnissen, denen sich die Tiere anpassten. Die Körpergrösse mag dabei aber nur von geringer Bedeu- tung gewesen sein. Erst mit der Ausbreitung in andere Gebiete und mit dem Zusammentreffen mit anderen Arten gleicher oder ähnlicher ökologischer Ansprüche wurde sie unter Umständn bedeutsam, vor allem natürlich dadurch, dass die grössere und stärkere Art beim Nah- rungserwerb und bei der Besetzung günstiger Verstecke der schwäche- ren gegenüber im Vorteil war. (Man kann hier einmal davon absehen, dass die kleinere Art kleinste Verstecke besser ausnutzen kann). Im extremen Fall, d. h. wenn Nahrung und Wohnraum knapp ist, wird es also zu einer Zurückdrängung bis zur Verdrängung der schwächeren Art kommen. — Untersuchen wir einmal daraufhin unsere Spitzmausarten im mitt- leren Westeuropa. Der oben angenommene extreme Fall der Konkur- renz um Raum und Nahrung liegt anscheinend nur bei dem — in Liechtenstein nicht vorhandenen — Artenpaar Hausspitzmaus-Garten- spitzmaus vor. Beide sind wärmeliebende Formen und infolgedessen Kulturfolger (menschliche Siedlungen). Dass sie in ihren Lebensstät- ten beim Zusammentreffen als scharfe Konkurrenten auftreten können, liegt vor allen Dingen daran, dass diese Plätze relativ klein sind und nicht so zahlreich sind, wie die grossen Räume, die die freie Natur 206
        

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