Sehr interessant ist eine mir vorliegende Serie aus Porlezza (Mu- seum Bern), die wieder A. GHIDINI um 1910 gesammelt und bestimmt hat. Die Tiere sind oberseits braun (Winter etwa Bister, Sommer Olive Brown bis Snuff Brown) und unten erheblich dunkler grau als die Liechtenstein-Bälge. Sie wirken dadurch eintöniger und sind nur mit grosser Mühe und auch nicht in allen Fällen von Hausspitzmäusen zu unterscheiden. Da das Gebiss überhaupt keine Zuordnung möglich macht (das klassische Kennzeichen, die relative Länge des P1 (= C nach anderen Autoren) ist nicht brauchbar), da die Proportionen eine Mittelstellung einehmen zwischen den extremen Verhältnissen, die russula und leucodon im Norden meist gut scheiden, blieben mir als Kennzeichen die etwas aufgehelltere und an den Flanken deutlicher abgesetzte Unterseitenfärbung und die Zweifarbigkeit des Schwanzes — Merkmale, die aber eine gleitende Skala zeigen! Dementsprechend habe ich diese 21 Bälge in 
16 leucodon, 3 russula und zwei gänzlich unbe- stimmbare Arten aufgeteilt. GHIDINI hat dagegen folgende Aufteilung vorgenommen: 9 Feldspitzmäuse (die er 
als leucogastra bezeichnet, denn die Feldspitzmäuse Nord-Italiens sollten 
eigentlich Crocidura leu- codon leucogastra BONAPARTE heissen; cf. BONAPARTE 1832 — 1841) 10 Hausspitzmäuse und 2 Tiere, die er als Kreuzungen bezeichnet. Es wird schon hieraus ersichtlich, wie unsicher die Bestimmung dieser italischen und südalpinen Wimperspitzmäuse ist. Neben dieser Serie sammelte GHIDINI dort drei weitere Tiere, die man der Färbung nach als Hausspitzmäuse bezeichnen muss, und man gewinnt dadurch den Eindruck, dass wir dort eine Gruppe vor uns haben, bei der die Heraus- differenzierung der beiden 
Arten russula und leucodon (vielleicht man- gels grosser Klima- und Temperaturschwankungen) nicht erfolgt war. Bezeichnend ist, dass sich auf der anderen Seite die Liechtensteinische Feldspitzmaus in ihrem kontrastreichen, bunten Kleid als weiter ent- wickelte Form darstellt. Weiter entwickelt nicht nur infolge der Klima- änderung gegenüber dem Süden, sondern ebenso infolge der langen Wanderwege (= Isolationserscheinungen) im Zuge der nacheiszeit- lichen Ausbreitung. Denn das Zusammenleben mit der Gartenspitz- maus in Liechtenstein — beim Fehlen der Hausspitzmaus — stimmt mit den Verhältnissen in Bayern (mit Ausnahme der NW-Ecke) über- ein, und man kann daher annehmen, dass Liechtenstein von diesen beiden Arten südöstlicher Herkunft vom Norden her besiedelt wurde. 202
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.