Wie ich schon 1955 zeigte, ist die helle Form, so wie ich sie in der Voreifel kenne oder ähnlich, in steigender Zahl im NW des Verbrei- tungsgebietes anzutreffen und zwar in Belgien und Holland und dann vor allem auf den Inseln der Nordsee und in England, so dass diese relativ kleinen, kurzschwänzigen, kontrastreich gezeichneten Tiere dort zur Aufstellung neuer Unterarten geführt 
haben (castaneus, freta- lis, grantii, pulcherj. Der Weg ihrer postglazialen Ausbreitung und die Absperrung auf Inseln kennzeichnet diese Spitzmäuse als Formen einer durch Isolation fortgeschrittenen Entwicklung, worauf auch die Ten- denz zu gewissen Gebissreduktionen 
(bei grantii von den Hebriden) hindeutet. Daneben bestehen aber fast überall (noch) Populationen des «dunklen Typs», der sich noch einige, entwicklungsgeschichtlich ältere Züge bewahrt hat, die die Formen in den Eiszeitrefugien (Südalpen, Süd-Frankreich) heute noch in sehr viel höherem Masse auszeichnen: Die Schabracke ist bei Jungtieren weniger scharf ausgeprägt und die Körper- und Schädelmasse sind höher. In der kleinen Serie aus England liegen mir z. B. typische, kontrastreich 
gezeichnete castaneus-Rälge aus Herford und Middlesex vor und daneben Jungtiere mit kaum an- gedeuteter Seitenzone aus der Grafschaft Devon, wie ich sie gelegent- lich auch in der Voreifel antraf («dunkler Typ»). — Die Tiere aus Norwegen, die Miller 1909 wegen ihrer Zahnpigmentierung und gros- sen Abmessungen zur 
Unterart bergensis erhob (und die ich schon allein wegen dieser Grössenabweichung für eine gute Gebirgsrasse des Nordens halte), haben nach der Originalbeschreibung im Sommer- kleid eine ausgeprägte, dunkle Schabracke über einer hellgelben Sei- tenzone; die mir vorgelegenen Bälge zeigen aber auch das gleiche Bild wie in der Voreifel: neben solchen mit ausgeprägten Schabracken gibt es Jung- (Rosendal, Suldal, Koinhared, Hardanger), Winter- (Jaren, Hadel) und einjährige Sommertiere (Rosendal, Hardanger, Koinhared), die von dem Ersdorfer «dunklen Typ» kaum zu unterscheiden sind. Ich habe 1955 die Vermutung ausgesprochen, dass das Nebenein- ander grosser dunkler und kleiner heller Waldspitzmäuse das Ergeb- nis einer Uberlagerung von Extremformen darstellt, die im Verlaufe der Entwicklungsgeschichte gesondert entstanden und später wieder in Berührung gekommen sind, wie es ja bei zahlreichen Vogel- und Säugerarten bekannt ist. Diese Deutung scheint mir heute aber nicht mehr haltbar zu sein, denn es müsste eine, wenigstens in grossen Zü- 180
        

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