Im Kanton Solothurn gibt es beispielsweise: Ibach, Bach bei Bris- bach und Igraben, südlich von Himmelried. Es kommt in der Schweiz der Flur- bezw. Ortsname «Ibach» 14 mal und «Iberg» 9 mal vor. «Igraben» hingegen gibt es dort nur den oben erwähnten im Solothurnischen. Ob aber alle Flurnamen der Schweiz im Topographischen Atlas Aufnahme fanden, ist allerdings nicht an- zunehmen. Auch in Süddeutschland gibt es gleich- oder ähnlich an- lautende Flurnamen, so z. B. in der Nähe von Isny einen «Iberg», ein «Eybach» im Württembergischen. Alle diese Namen sind schon vor Jahrzehnten von anerkannten Forschern klar und überzeugend gedeutet worden: Diese Orts- und Flurnamen verdanken ihre Entstehung einem in fast ganz Europa ver- breiteten Baume, der Eibe (lat. Taxus baccata). Im Althochdeutschen hiess dieses geheimnisumwitterte Gewächs, das in Busch- und Baum- form vorkommt iwa, im Angelsächsischen i w , im Mittelhochdeut- schen iw e . Das ahd. Wort iwa, Eibe, ist höchstwahrscheinlich urver- wandt mit ahd. ewa, die Ewigkeit. Diesem ahd. Wort iwa erging es in der Zusammensetzung mit einem anderen Wort ähnlich wie dem ahd. aha = fliessendes Wasser, das auch zu ah und vielfach gar zu einem blossen «a» zusammenschrupfte. Unser Igraben in Schaan geht also auf eine oder mehrere Eiben zurück, die an seinen Ufern oder in deren Nähe standen. Auf die gleiche Art entstanden z. B. «Nussbaumries» in Balzers, «Erlenbach» in Eschen. Es ist wohl eine Selbsverständlichkeit für jeden ernsten Flurnamenforscher, dass er eine Realprobe vornimmt, das heisst, er prüft ob die örtlichen Verhältnisse so geschaffen sind, dass eine be- stimmte Annahme gerechtfertigt erscheint. In unserem Falle wäre die Herleitung von Eibe zu verwerfen, wenn der Igraben weit draussen im moorigen Riet verlaufen würde, an einem Ort also, an dem keine Eiben wachsen könnten. In dieser Beziehung tauchten tatsächlich noch einige beträchtliche Schwierigkeiten auf: Auf den Landkarten 1 : 10000 und 1 : 25 000 ist als Igraben ein im Riet, also westlich der Eisenbahn verlaufender Wassergraben bezeichnet, in einem Gebiet in dem kaum einmal Eiben wuchsen. Diese Eintragung auf unseren neuen Karten erwies sich im Verlaufe meiner weiteren Untersuchungen als unrichtig. (Namenwanderung !) 131
        

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