- 94 - Mendelssohn. Seit einiger Zeit befinden sich zwei polnische Virtuosen hier, zwei Brüder, von welchen der eine auf dem Klavier, der andere auf der Violine eine wirklich unerhörte Fertigkeit besitzen. — Nächsten Samstag soll in der grossen Ensemble meine Can- tate probiert werden, bis dahin muss ich noch 16 Stimmen u. eine Partitur davon abschreiben, ein höchst langweiliges, zeitraubendes Geschäft. — Für Hr. Prof. Schafhäutl, welcher" sich allen höflichst empfehlen lässt, componire ich zum « Kristkindl» (wie man hier sagt) ein Offertorium, mit welchem ich mir viele Mühe gebe; überhaupt habe ich zu kirchlichen Kompositionen mehr Lust und Talent als zu andern. Hr. Pf. Wolfinger war vor 14 Tagen bei mir und lasst alle recht schön grüssen. Morgen (15ten Dezember) sollte ich das 2te Semester bezahlen, deshalb würde ich Sie, Theuerste Eltern ! bitten, mir das Geld zu schicken, indem es mir unangenehm wäre, wenn ich vom Direktor gemahnt würde. Auch muss ich diesen Monat noch die Aufenthalts- karte verlängern lassen. Ich werde gewiss wenn möglich meinen Fleiss vergrössern, denn ich weiss gewiss, was es Ihnen für Opfer kostet; — ich unterlasse nie, den Himmel anzuflehen, mir es bald möglich zu machen, es Ihnen nach Wunsch zu vergelten. — Hat Mali das erhalten ? Von Lise u. Toni erwarte ich zum Christkindl einen langen Brief — und indem ich hoffe, dass mein Brief Sie in erwünschtem Wohlsein treffe, verbleibe ich Ihr dankschuldigster Sohn Theuerste Eltern ! Der Jahreswechsel erinnert mich wieder an die heilige kindliche Pflicht, den Eltern, welche mit so vieler Aufopferung die Ausbildung 
Joseph Rheinberger. den, 30. 12. 53.
        

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