— 85 — Merkwürdig ist, dass zu Ostern der beste Bassist, der beste Tenorist, die beste Altistin und Sopranistin (diese geben nun im Hoftheater zu Karlsruhe Gastrollen), ferners der beste Violinist und der beste Cellist — ausgetreten sind — ebenso einer der besten Ciavierspieler*) und ein Violinprofessor. Dieser nun erhob beim Ministerium des Innern so viele Klagen gegen Hr. Direktor Hauser, dass wir alle glaubten, er werde pensioniert. ( Worin eigentlich die Klagen bestanden, konnten wir jedoch nie zusammenhängend erfahren). Es wurde eine Com- missi o n vom Könige abgeordnet, welche diese Klagen untersuchen, die Zöglinge prüfen und alles zu Papier nehmen sollte, was auch ge- schah. Diese Prüfung begann am Pfingstdienstag und dauerte bis Samstag, also 5 Tage von 8 — 1 Uhr und von 3 — 8 Uhr. •— Die Kommission bestand aus einem Ministerialrat — einem Professor der Universität, welcher ein sehr strenger Musiker ist und alle Prüfungen leitet, ferners ein Schulinspektor und ein Oberkonsistorialrat und Hofsänger Hartinger. Die I. Prüfung, bei welcher ich etwas zu tun hatte, war Instrumental-Prüfung, wo ich vom Blatt spielen musste, was ganz gut ging. — Dann war aber Contrapunkt. Da wurde nun mein Quartett aufgeführt, Hr. Direktor spielte Viola und ich musste dirigiren. Und die Herren hatten die Geduld, es ganz zu hören und fragten mich noch hernach, ob ich es ganz gewiss selbst gemacht hatte. — Die Orgelprüfung dauerte nur 2 Stunden, weil nur 4 Schüler waren, mich traf davon 1 volle Stunde, welche mir ziemlich heiss machte. Da musste ich registriren, präludiren, die Passacaglia von Bach pro- duziren, ferners musste ich in den 6 griechischen Tonarten Übergänge machen, und als ich glaubte fertig zu sein, schrieb der Prof. der Uni- versität ein Fugenthema auf, welches ich im Stegreif zu Fuge machen sollte (das allerschwerste einer Prüfung). Ich spielte und sie sagten, es sei sehr gut gegangen. Weil ich seit dem Oktober spielte, war ich der erste, und gleich nach mir fiel einer total durch, welcher 4 ]ahre lernte. Darnach sagten sie, ich hätte die schwerste und beste Prüfung gemacht. *) Für diesen componirte ich die Sonate op. I. (Anmerkung von Jos. Rheinberger).
        

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