— 53 — stände nach Liechtenstein und deren Ausschmuggelung in die Schweiz am 1. September 1919 gegen Liechtenstein eine Warensperre verhängt, die sich für Liechtenstein ungünstig ausgewirkt hatte. Später wurden durch amtliche Vermittlungen Milderungen erreicht. Der Widerstand gegen die Zollorgane nahm immer bedenklichere Formen an und die Regierung konnte nicht entsprechend durchgreifen, worauf Österreich sämtliche in Liechtenstein stationierten Finanzwach- bediensteten im September 1919 abzog und die Zollgrenze an die Staats- grenze zurückverlegte. In einem österr. Gesetze vom 17. 12. 1919 wurde die Errichtung der Zollämter an der neuen Zollgrenze, und zwar in Tisis, Hub und Nofels bekanntgegeben. Gleichzeitig wurde auch die Auflassung der Zollämter in Bendern, Schaan, Vaduz und Balzers mit den Ansageposten Mäls und Churerhütte sowie der Finanzwachkon- trollbezirksleitung in Vaduz und der Finanzwachabteilungen in Rug- gell, Bendern, Schaan, Vaduz und Balzers verfügt. Die Finanzwach- abteilung in Triesen wurde schon im Jahre 1914 aufgelöst. Über die damalige zollpolitische Lage Liechtensteins verweise ich auf die Ausführungen des Landtagspräsidenten Walser anlässlich einer am 2. Dezember 1919 in Wien stattgefundenen Besprechung. Walser verwies u. a. auf die langjährigen für beide Teile vorteilhaften Bezie- hungen. Als Folge der durch den Krieg eingetretenen Verhältnisse, insbesondere des Währungsstandes sei die Stimmung im Lande gegen die Fortsetzung der Zollunion. Die Mehrheit im Lande denke an eine Zollunion von Österreich und Deutschland, auch bei einer Donau- koalition sei ein Anschluss an diese erwägenswert. Eine sichere starke Partei wünsche den Zollanschluss an die Schweiz. Im Moment möchte man die Entwicklung der Dinge abwarten. Diesen Ausführungen hatte der f. 1. Gesandte in Wien, Prinz Eduard, hinzugefügt, «dass Liechten- stein das Schicksal Vorarlbergs abwarte. Dessen Anschluss an die Schweiz gäbe Liechtenstein den Charakter einer vollen Enklave und zwinge geradezu zum Zollanschluss an die Schweiz».24) Dr. Albert Schädler hat seine Ausführungen über das Ende des österr.-liechtensteinischen Zoll- und Steuervereins mit den Worten geschlossen: «Man muss sich vorstellen, dass unser Land seit nahezu 70 Jahren im Zollvertrag mit Österreich war und sich dabei gut be- funden hatte. Auch früher hatte sich unser wirtschaftlicher Verkehr fast ausschliesslich auf der rechten Rheinseite abgespielt».25)
        

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