- 190 - Soweit war der Brief schon vor 8 Tagen geschrieben und blieb liegen bis heute (Aschermittwoch), Und da ich heute durch ein Un- wohlsein (Zahngeschwür, welches mir der Doctor erst vor einer halben Stunde aufgeschnitten) ans Zimmer gefesselt bin, so bleibt mir Müsse genug, den Brief zu vollenden. Meine Fastnachtsfreuden bestanden in einem geschwollenen Backen, der mir Tage und Nächte hindurch die grössten Schmerzen verursachte; doch wird mir hoffentlich oben er- wähnte kleine Operation Ruhe schaffen. Endlich haben also die Vaduzer einen Pfarrer — was lange währt, wird 
e(i). Pfarrer v. Türkenfeld, Herr Wolfinger war erst vor wenigen Wo- chen hier; er war diesen Sommer (od. Herbst) krank gelegen — wo? —• in Triest. Da er immer «am ummakessla» und Geldsäcke todtschlagen ist, so will er diesen Sommer wieder einmal in's Liechtenstein'sche «einbrechen». Mit der «Encyclika» scheint er sich bisher verdammt wenig befasst zu haben. — Heuer war ein strenger Winter, der mich schon viel Geld (für Holz) gekostet hat. Am Conservatorium haben wir noch immer das Provisorium; was daraus werden soll, wissen die Götter. Anschliessend noch eine verspätete Recension. Wenn Sie derglei- chen erfreut, so können Sie einen grössern Aufsatz in der Leipziger allgem. Musik-Zeitung, in No. 2 und No. 6. d. Jahrganges finden; besagte Nummern werden wohl einzeln durch die Buchhandlung zu beziehen sein. Hoffentlich befinden Sie sich, Theuerster Vater ! wie alle lieben Angehörigen, in bestem Wohlsein. Mein nächster Brief (nach Auf- führung des erwähnten Schauspiels) soll dem ehrwürdigen David gelten. Wenn Meister Anton nach vollbrachtem Tagewerk von seinem Malepartus heruntersteigt, bitte ich ihn zu grüssen, wie alle Übrigen. Und nun Gottbefohlen ! Ihr dankbarer Sohn G. J. Rheinberger. München Aschermittwoch 1865
        

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