- 188 — auch in dem nächsten Oratorienvereinsconcerte werde ich mein gros- ses Stabat mater*'4) selbst dirigiren etc. — so geht doch etwas vor sich. Im Dezember soll ich Solo-Repetitor vom Hoftheater werden, als welcher ich dann mit den Solo-Opernsängern die Proben zu halten haben werde. Da diese Stelle etwas besser ist, als meine jetzige am Conservatorium, so werde ich, falls mir die Aufbesserung der Letztern verweigert würde, meine Entlassung vom Conservatorium nehmen. Das Ganze ist übrigens noch in der Schwebe; lassen sich aber beide Stellen zu circa 1000 fl vereinigen, so kann ich dann das Privatlehren aufgeben. Letzthin las ich wiederholt in den Blättern, dass Liechtenstein österreichisch werden müsse; hoffentlich ist es aber nicht wahr. Hat man vielleicht in Vaduz nähere Spuren? Peter bitte ich zu sagen: dass ich mich nach der englischen Lebens- versicherung von Gresham genau erkundigte, und sie sich als sehr wenig solid auswies — jede deutsche soll besser sein. Schafhäutl, der alle herzlichst grüssen lässt, versprach mir nächste Tage Auskunft über die Ertel-schen Instrumente. Hat Peter seine Kleider erhalten? Da nach der Schweiz keine Postnachnahme ist. so habe ich den Schnei- der mit 17 fl 15 +er östr. W. berichtigt. Die Herreise von Vaduz war nicht ganz angenehm, da die Ror- schacher Schwindler von Schiffseigenthümern uns mit so vielen an- dern von dem Postschiff abhielten und auf den ehemaligen «Ludwig» hineinschwätzten, der dann natürlich viel zu spät zu dem Lindauer Courierzug ankam und nur fünf Stunden Aufenthalt in Lindau ver- ursachte. Diese Schweizer=Betrügerei wird in Rorschach geduldet, ob- schon der ganze Seekreis davon weiss. Wie ist heuer der Wein ausgefallen? Können die Blechiers jetzt meinen Marsch spielen? Hoffentlich sind alle zu Hause wohl, und so schliesse ich mit den besten Grüssen von.Maly und mir, Theuerster Vater ! als Ihr dankbarster Sohn G. J. Rheinberger München, 20. 11. 64.
        

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