- 179 — Wie geht es zu Hause? Hoffentlich befinden Sie sich, Theuerste Eltern ! wohl und gesund. Gruss an Alle ! Einer baldigen Antwort entgegensehend verbleibe ich wie immer Ihr dankbarster Sohn München, 11. 11. 60. G. J. Rheinberger. Theuerste Eltern ! Aus Peters letztem Briefe entnahm ich mit grossem Vergnügen, dass Sie sich in dem erwünschten Wohlsein befinden; ich kann Gott- lob von mir und Mali das Nämliche melden — im Übrigen verfliesst ein Tag wie der Andere mit Arbeit und wiederum Arbeit, und im Handumdrehen sind ein paar Monate verflossen; das merkte ich erst, als Mali mich dringend ermahnte, nach Hause zu schreiben, da schon 2 Monate seit meinem letzten Briefe verflossen seien. Im Januar war ich mit Einladungen und Arbeiten so überhäuft, dass ich die letzten 14 Tage fast nie vor 1 — 7-2 2 Uhr Nachts zu Bette kam — und so glaube ich, dass mir eine Vakanz in Vaduz (ob der Wein sauer, oder nicht) gut schmecken wird. Müsste ich nur nicht immer meine beste Zeit meist mit Dummköpfen vergeuden, so wollte ich was Rechtschaffenes zu Tage fördern; das Schulmeistern wird mir immer zuwiderer. Wenn ich mein bescheidenes Auskommen hätte, ohne mich erst mit Schülern herumzubalgen, wollte ich gerne von früh bis spät an meinem Notenpulte sitzen und noch Tedeum singen dazu ! Im De- zember spielte ich in den Abonnementsconcerten; so viel ich weiss, waren in der Allg. Zeitung ein paar Worte darüber. Lachner hat mich für kommende Saison wieder eingeladen, ein Mozartsches Concert mit Orchester zu spielen, zu dem ich zwei grosse Cadenzen componirte; er sagte mir, ich solle doch als Ciavierspieler mehr aus mir machen, was mir bisher noch nicht eingefallen war. Im Januar spielte ich mein Klavierconcert, (welches ich in den Ferien schrieb) mit grossem Beifall in einer feinen Gesellschaft im Künstlerlokale bei Schafroth58). Lachner zeigt sich mir sehr gewogen. —
        

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