— 177 —' Prof. Maiers wohnen jetzt so weit von uns weg, dass wir nur selten sie sehen können. Mali ist pudelwohl und brav, besonders seitdem sie eine neue Sommermantille bekam. Heute erhielten wir den von Hanni angedrohten Brief; er ist ge- wiss gut gemeint, aber —- wie Hanni selbst. Nun noch einiges über unsere kleine Haushaltung. Mali lernt im- mer besser kochen, ohne für die Küche besonders viel Geld zu brau- chen; sie braucht im Durchschnitt einen Gulden per Tag, da wir äusserst wenig Bier consumiren. Kleidung und Wohnung kommen im Jahr bedeutend höher als Nahrung zu stehen. Unsere Hausleute zeigen sich besonders gegen Mali äusserst char- mant. Das Haus ist immer gesperrt, also verhältnismässig ruhig und sicher. Ich hoffe, Theuerste Eltern ! dass dieser Brief Sie in bestem Wohl- sein treffe, was mir selbst in zwei Monaten vergönnt sein möge. An Toni und David besonders viele Grüsse; (wenn mir nur mein starker Briefwechsel mit diesen zwei Brüdern keine Hühneraugen an der rech- ten Hand verursacht !) Peter, Lisi, Seffa und Mutter lasse ich tausend- mal grüssen. Indem ich hoffe, dass Sie mich baldigst mit einem Brief erfreuen, verbleibe ich wie immer, Theuerster Vater ! Ihr dankbarster Sohn G. J. Rheinberger. München, 13. 5. 60. Blumenstrasse 16/2. (Mali behauptet, die Mutter habe den Gugelhupf für unsere Rückkehr jetzt schon gebacken; ist das wahr?) * Theuerste Eltern ! Längst schon war es mein Wunsch, Ihnen zu schreiben, doch hatte ich seit Wochen so viel zu thun, dass ich nie nach Wunsch dazu kommen konnte. Da nun heute ein ruhiger Sonntag Abend ist, und das Feuer lustig im Ofen prasselt, wird der Tisch zu diesem Wärme- spender gerückt, und ein Briefbogen geholt.
        

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