— 172 — und dass er Sehnsucht habe, seine alten Tage im Liechtensteinischen zu verleben. Nur seine Verwandten in Balzers schrecken ihn davon ab. Übrigens macht er noch gern Spass, und ist wieder so lustig, als je. Den Peter und Hr. Pf. Wolfinger lässt er hauptsächlich grüssen. den 5. 4. 59. Gestern (Montag) erhielt ich von Peter einen Brief, woraus ich ersah, dass er wahrscheinlich nach Vaduz und nicht nach Chur über- siedelt; was Ihnen, Bester Vater ! weit lieber zu sein scheint. den 7. 4. 59. Heute endlich werde ich den längst angefangenen Brief fertig schreiben können, indem ich Hausarrest habe. Mein linker Fuss schmerzt mich so, dass ich gar nicht ausgehen kann. Seit Jahren wohl das erstemal, dass ich einen ganzen Tag lang nicht ausgehe. Doch nichts Schlechtes ohne Gutes: nun habe ich doch einmal einen vollen Tag zum ruhigen Componiren. Verleger Peters in Leipzig hat ein Heft Ciavierstücke von meiner Composition zum Drucke angenommen50); wir wollen sehen, wie lang er dazu braucht, um es erscheinen zu lassen. Im nächsten Oratorienvereinsconcert wird ein 6stimmiger Chor von mir gesungen werden. Sonst weiss ich nichts Neues. Hier ist das Frühjahr wunderschön, gewiss bei uns auch. Wann kommt der junge Fürst nach Liechtenstein? Hört man gar nichts von ihm. Die Huldigung muss mir dann der David in einem 6 Ellen langen Briefe beschreiben; auch das Gepränge und die Ge- wänder: vom Durchlauchtigsten Rocke an bis zu Davids Frackschössen herunter. Ferners auch die Anrede stenografiren, welche der Tries- nerberger Gemeindevorstand an seine Durchlaucht halten wird. Wie geht es der lieben Mutter? Von ihr höre ich gar nichts mehr. Befolazgrüatza ! Indem ich hoffe, dass mein Brief Sie, Beste Eltern ! in erwünschtem Wohlsein treffe, verbleibe ich wie immer Ihr dankschuldiger Sohn G. J Rheinberger. München, 7. 4. 59.
        

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