— 154 — Theuerste Eltern ! Neujahr ! Nie verfloss noch diese Zeit, ohne dass sie mir Ihr väterliches Walten so recht vor die Augen geführt — nicht, als ob ich mich nicht täglich mit dankerfülltem Herzen an Ihre zahllosen Sorgen für mich erinnert hätte — nur ist Neujahr eben jene Zeit, wo man seinen Gefühlen Worte gibt — diese Gefühle sind: Möge Gott den Besten Eltern seinen Segen verleihen, und Sie uns viele — viele Jahre erhalten, und uns, Ihre Kinder, Ihrer würdig machen. Um das bitte ich Gott, und ich hoffe, nicht vergebens. Das Christkind ist zu mir nun doch gekommen, und zwar am Christabend. Es brachte mir in einer grossen Schachtel einen Christ- Baum und viele Geschenke. Ich erinnerte mich mit Wehmut an die langen Jahre, welche verflossen, seit ich den Weihnachts-Abend im Kreise meiner theuersten Angehörigen verlebt und zum letztenmal in Vaduz die Mette gespielt. Solche Zeiten kommen nicht wieder ! Die Erfüllung meiner kühnsten Wünsche könnten mir diese Freude, die ich damals als Kind genoss, nicht mehr verschaffen. Gestern Abend wurde im Oratorienvereinsconcerte mein Oratorium (od. Cantate) aufgeführt. Ich accompagnirte selbst am Klavier. Der Beifall war enthusiastisch; ich wurde ordentlich mit Gratulationen überschüttet — auch von Lachner, Schafhäutl etc. Vielleicht kommt Näheres gedruckt. Sonst waren die Feiertage für mich schlimm; denn trotz der heftigsten Grippe musste ich den Organistendienst in der Theatinerkirche versehen. Erst Sonntag Nachmittag konnte ich mich zu Bett legen, und während Toni (zur Kaffeezeit) seinen Brief (den ich diesen Augenblick erhielt) schrieb, lag ich vom heftigsten Fieber ge- schüttelt, im Bett. Gestern war es weit besser. Der Oratorienverein schickte mir zum Concert einen Wagen, und nun bin ich heute wieder so wohl als wie immer, nur noch mit Catharr behaftet. Im Übrigen geht es mir sehr gut; nur habe ich viel zu thun. Hr. Pfarrer Wolfinger in Türkenfeld habe ich vor 14 Tagen geschrie- ben. Hr. Pfarrer Wolfinger in Vaduz lasse ich herzlichst grüssen. Es hätte mich sehr gefreut, wenn er meine Cantate hätte hören können. Allen meinen Bekannten ein glückliches Neujahr ! Hat Mali meinen Brief und sein Hütchen erhalten? Toni schreibt auffallenderweise keine Silbe davon. Ich möchte das doch bald wissen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.