— 153 — von 1 — 7 weg, wo ich müde heimkomme und dann das Glück habe, bis 12 Uhr nachts an meiner Arbeit zu sitzen, wenn ich ein opus fördern will. So musste ich in letzter Zeit «Jephta» umarbeiten, Stim- men ausschreiben, Sinfonie schreiben etc. und so bin ich seit 3 Wochen keine Nacht vor 12 Uhr in's Bett gekommen, und musste schon einige- mal um 6 Uhr früh Rorate spielen. Doch befinde ich mich immer gesund und wohl, und habe auch noch für letzten Sonntag ein Offertorium geschrieben, welches in der Theatinerkirche gesungen wurde. Meine neue Sinfonie und erwähntes Quartett habe ich vor 14 Tagen Lachner gezeigt, welcher sich äusserst günstig äusserte. — Und nun ein Weltwunder ! Hr. Director Hauser liess mich letzthin zu einer Tasse Kaffee einladen, ohne dass ich mich ihm seit 3 Jahren nur im Geringsten näherte. Er war sehr freundlich, und that, als wenn ich sein liebster Schützling wäre; doch traue ich ihm nicht. Hierauf wurde noch etwas musizirt, und dann empfahl ich mich höflichst. Mein Oratorium «Jephta's Opfer» wird von nächsten Mittwoch an einstudirt werden. — Letzthin war ich zu einer Soiree bei Maler v. Dürk eingeladen. Dort wurde eine Arie aus Jephta von einer Frau von Hoffnaass (sie lernt auch Harmonielehre bei mir) vorgetragen, und dacapo verlangt50). Auch zwei andere Damen vom Oratorienverein wollten Generalbassunterricht nehmen, was ich aber ablehnte, indem ich vorgab, keine Zeit mehr erübrigen zu können. Von Hr. Prof. Maier viele Grüsse. W. Briem besuchte mich einigemale, und sagte, er hätte durch seinen Vater Grüsse für mich aus Vaduz bekommen. Er be- findet sich wohl, und ist, wie es scheint, fleissig. Ich freue mich sehr, bald Nachrichten aus Vaduz zu bekommen, und verbleibe, indem ich Sie, Theuerste Eltern und Geschwister herz- lichst grüsse, Ihr dankbarster Sohn und Bruder Jos. Rheinberger kgl. Hoforganist. München, d. 3. 12. 57. NB: Kunt hür der Samiklos ? *
        

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