— 144 — Was macht die liebe, gute Mutter? Theuerste Eltern ! ich verbleibe für immer Ihr dankbarster Sohn Jos. Rheinberger. München, Pfingstsonntag 1857. Theuerste Eltern ! Obwohl es mich sehr gefreut hätte, Sie heuer wieder in Vaduz zu sehen, so thut es mir leid, nicht kommen zu können. Ich habe mit Hr. Prof. Maier darüber gesprochen. Erstens würde ich alle meine Stunden verlieren, zweitens würde es doch auch so viel kosten, hin und herzureisen, als ein Monat Aufenthalt dahier. Drittens kann ich auch wegen der St. Ludwigskirche nicht fort. Sie sehen demnach, meine Theuersten Eltern ! dass ich über diesen Sommer nicht so leicht nach Vaduz kommen kann, als sonst. Ich hoffe aber, dass Sie nichts- destoweniger oft in Gedanken bei mir sind, als wie ich bei Ihnen. Dass Hr. Wolfinger von Vaduz kommt, freut mich sehr, obschon er mich abzuholen vermeint. Schüler habe ich- gegenwärtig drei (zwei Schülerinnen von 8 u. 10 Jahren) und einen Schüler (Sohn des Direc- tors der Staatsbibliothek). Diesen zusammen habe ich 7 Stunden wö- chentlich zu geben. Diese sind verschieden bezahlt. Von diesen 7 Stunden sind 5 ä zu 24 +r, und 2 ä zu 40 +r bezahlt. Mein Würz- burger Harmonieschüler ist in die Vakanz dorthin abgereist. Von nächster Woche bekomme ich wieder 2 Schüler, Söhne eines Gross- händlers, mit welchem ich eben in Unterhandlung bin. Letzten Monat (Juni) habe ich mir Geld zusammengespart zu Kleidern, und kaufte mir eine graue Hose zu 7 fl 48 +r ein Gilet = 3 « 30 +r einen Seidenhut (Cylinder) = 3 fl — und ein Halstuch zu = — 48 +r Summa 15 fl 6 +r. Zu einem neuen schwarzen Rock, den ich nun brauchte, hat's nicht mehr gereicht. — Im Juni habe ich ein Requiem angefangen, und arbeite jetzt schon am Benedictus45). Wenn man solche Sachen nur immer gleich zur
        

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