— 122 — dige Copiaturen eingerechnet, höchstens 12 fl. — Soll ich — oder soll ich nicht? — Jedenfalls bitte ich um baldige Antwort, da Herr Kuli am 5. — 8. Oktober fortreisen will — und ich ihn nicht vor den Kopf stossen möchte. Er hat in Genf auch Hr. Adler (der in Feldkirch war) kennen gelernt, und scheint mir jedenfalls ein braver Schweizer zu sein. Mali und Lisi sind mir Briefe schuldig; und der Peter soll recht bald kommen, da jetzt herrliches Wetter ist. — Der David soll seine Nase (welche wunderschön sein muss) durch «neuen Suser» nicht noch röter färben. In Erwartung, dass alle gesund sind und mir bald schrei- ben werden, verbleibe ich. Theuerste Eltern, Ihr dankbarster Sohn Jos. Rheinberger. München, den 26. 9. 55. Beiliegende Kritiken: Neue Münchner Zeitung Nr. 223 vom Dienstag, 18. Sept. 1855: «Musik. Der hiesige Privat-Musikverein gab Sonnabends den 15. September zur Feier des Namensfestes Ihrer Majestät der Königin ein grosses Konzert, welches mit der Komposition eines 16jährigen Jüng- lings eröffnet wurde, Joseph Rheinberger (aus Vaduz im Lichten- stein'schen), eines jungen Künstlers von seltener musikalischer Bega- bung und wahrem, hohen Künstlerberufe, der als zwölfjähriger Knabe nach München ins Konservatorium kam, wo dessen ausserordentliches Talent bald von den H. H. Professoren Herzog, Meyer und Leonhard bemerkt und gepflegt wurde, während Hr. Generalmusikdirektor Lachner den Jüngling später unter seinen besonderen Schutz nahm. Die erwähnte Komposition ist eine Symphonie (in D-Dur). Schon im ersten Satze findet der Kenner nicht etwa den Versuch eines wanken- den Anfängers, sondern eine Komposition, die eben so sehr durch schön erfundenes Thema als durch kunstgewandte Aus- und Durch- führung desselben einer gereiften Individualität Ehre gemacht haben würde. Noch grösseres Interesse erregte das Menuett mit originellem Thema, das durch sinnreiche, gerundete Instrumentierung noch rei- zender gemacht wurde. Das Adagio, der schwierigste Teil einer Sym- phonie, bildet einen rührenden Wettgesang zwischen dem Streich- quartett und den Holzblasinstrumenten, unter welchen die Klarinette schon mit dem ersten Takte das schöne Thema beginnt, während das zweite Thema von der Violine vorgetragen wird. Nur selten tritt der
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.