— 118 - sehr viel daran gelegen, dass sie gut gegeben werde; er versprach sie mir mit grosser Feierlichkeit am Namenstage der Königin Marie (Maria Geburt) gewiss aufzuführen; Schafhäutl freut sich ungemein darauf und sagt Beifall voraus, was mich mehr freut, als 100 bestellte Bravoschreier; jedenfalls miete ich mir auf jenen Tag einen schönen Frack und studire «Verbeugungen» ein. Lachner gibt sich viele Mühe mit mir und hat mich gerne, so wie auch seine Familie. —• Mit Tschavoll habe ich toujours correspondence francaise; er schrieb mir vor 3 Tagen; er hat eine Violine um 3000 fr. gekauft. Ich muss mich wieder photographieren lassen, ihm mein Bild und ein Violinkonzert (von mir noch zu componiren), schicken. Stunden zu geben habe ich wöchentlich 5 (3 dem Schweitzer und 2 einem würt- temb. Schullehrer, auch Schüler von J. Maier) und soll dafür monatlich (von beiden) 8 fl einnehmen; jedoch ist auf diesem Punkt der Schweitzer (ein geld- und talentarmer Tropf) sehr vergesslich, dass ich oft sage, die oder jene Stunde gelte nichts, weil ich 'nur eine 72 Stunde ihm gegeben habe, wobei er oft froh ist; (solche Leute meinen immer, wenn sie zu einem Schuster nichts taugen, so werden sie Componisten, gehen V2 Jahr in die Lehr und sind «fertig»; Pfui !) Der Württemberger ist fleissig und brav, obschon erst 45 Jahre alt. Dann nehme ich seit einem Monate beinahe täglich englischen Sprach- unterricht; nämlich ein Freund von mir lernt es bei seiner Schwester, welche 6 Jahre in England war und dem es allein zu langweilig, sagte, ich solle mit ihm lernen, was ich auch that; oft lachte Schaf- häutl, wenn wir Sonntags fortfuhren und ich englisch sprach. — Was Maier mit den 30 fl meinte, verstehe ich nicht, ich erhielt 45 fl, er muss sich verschrieben haben. Früher einmal brauchte ich 4 V2 fl für den Notenschreiber meiner Symphonie. Letzthin las ich in einem hiesigen Lokalblatte beiliegende Todes- anzeige; das Liese soll Frau Oberstforstmeisterschauerlise fragen, ob das nicht die Klavierspielerin-Tochter der Feldkircher Assmann, welche vis a vis dem Ochsen wohnte, war; — und soll es mir dann schreiben. — Meine Garderobe ist en bon etat. Auf's Oktoberfest wird im Glas- palaste ein Riesenkonzert veranstaltet. Von meinem Verlage in Leipzig habe ich bis dato noch nicht Antwort. Die liebe Mutter lasse ich viel-
        

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