—- 62 — Es wird den Beamten aber klar, dass in Tirol selbst kein grosses Interesse am Kaufe bestehen könne. «Die tirolische Landschaft wird einwenden, dieses Werk berühre sie oder dies Land nicht». Die Entscheidung wird von der Stellungnahme der Vorariberger Stände abhängen. Der Vogt zu Feldkirch berichtet, er habe in Erfah- rung gebracht, dass anzunehmen sei, Vaduz und Schellenberg werde um 200 000 Gulden zu haben sein; die Schätzung sei zu hoch angesetzt. Noch im Jahre 1608 beginnen die Vorarlberger mit den Beratungen. Graf Rudolf muss noch auf einen Irrtum hinweisen: Er stellt fest, dass die Herrschaft Blumenegg ihm gehöre und gar nicht feil sei. Sollte es einmal so weit sein, dann werde er sie dem hochlöblichen Hause Österreich zum Kaufe anbieten. Die Stände lassen ein Gutachten vom Advokaten der Städte Lindau und Feldkirch Doktor Daniel Heider ausarbeiten, welcher Bedenken äussert (ich konnte dieses Schreiben noch nicht ausfindig machen), die wohl in der Eingabe an Erzherzog Maximilian verwertet sind, welche am 16. März 1609 nach Innsbruck geschickt wird und von den verordneten Ausschüssen der Städte und Herrschaften Feldkirch, Bre- genz, Bludenz, Sonnenberg und Hohenegg unterzeichnet ist. Die Haltung ist durchaus negativ, und nach Gründen der Ableh- nung wird förmlich gesucht. Vor allem fürchten die Vorarlberger zweierlei: Sie haben finanziell grosse Lasten auf sich genommen und sich immer eingesetzt, so gut es möglich war. Der Innsbrucker Antrag gehe aber darauf aus, dass ihnen der Kauf aufgebürdet werde. Ausser- dem seien die Herrschaften verschuldet und die Bewohner noch Leib- eigene, während sie selbst schon lange aus der Leibeigenschaft ent- lassen seien. Für unsere Landesgeschichte ist die Stellungnahme der Nachbarn so interessant, dass wir einen Auszug aus dem Briefe geben wollen, wie wir ihn aus dem Exemplare im Brezenzer Stadtarchiv vor uns haben: «Wir haben über den vorgesehenen Kauf der drei Sulzischen Herr- schaften und die deswegen begehrte Geldaufnahme inzwischen samt und sonders nachgedacht. Und wiewohl wir die gute Intention davon, die zu diesem Werke rät. genügend spüren, zuvorderst aber Euer Durchlaucht sorgsames, wachsames Auge über unseren Wohlstand und unser Gedeihen hierin augenscheinlich und dankbarlich erkennen und rühmlich hervorheben: So können wir doch als Anstösser und
        

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