— 44 — Wir haben von den Schwierigkeiten erfahren, die der harte Graf Rudolf im Klettgau mit seinen Untertanen nach dem Schwabenkriege hatte und die dazu führten, dass er seine Landgrafschaft durch öster- reichische Truppen besetzen lassen musste. Nun erheben sich die Bauern seines Landes und belagern die Küssaburg. Ein kurzer Waffenstillstand kommt zustande; die Eid- genossen wollen Blutvergiessen verhindern und zwischen dem Herrn und seinen Untertanen vermitteln — vergeblich. Schon rücken, von Rudolf herbeigerufen, österreichische Truppen an. Die Bauern ver- sammeln sich im Dorfe Griessen. Schaffhauser und Rottweiler Ab- gesandte versuchen nochmals, die Parteien zu Verhandlungen zu bringen, und diesmal sind die Bauern bereit. Im Bewusstsein seiner Stärke aber (er hatte 500 Reiter und 1000 Mann Fussvolk zur Verfü- gung) gibt Graf Rudolf den Angriffsbefehl gegen seine aufständischen Untertanen. Im Hauptgefechte werden etwa 200 Bauern erschlagen, und 100 Mann werden gefangen auf die Küssaburg geführt. Dort werden dem Bauernhauptmann Claus Wagner die Augen ausgestochen und die Schwurfinger der rechten Hand abgehackt. «Dem Prediger Hans Rebmann wurden mit einem eisernen Löffel beide Augen aus- gedrückt und die leeren Höhlen mit Stroh ausgestopft, ebenso wurden ihm die Finger der rechten Hand abgehauen». Johann Rebmann wirkte übrigens noch durch mehr als 3 Jahrzehnte als protestantischer Pfarrer in Zürich. Harte Geldbussen und furchtbare Plünderungen folgten im Klett- gau, und Graf Rudolf erhält den Namen «Bauernbesieger». Nun be- ginnt eine Zeit des Friedens für die Landgrafschaft Klettgau, die elf Jahrzehnte dauert, bis die Schweden einmarschieren und die Küssa- burg von der Besatzung gesprengt wird, bis das stolze Wahrzeichen der Sulzischen Herrschaft in Trümmer sinkt. Eine Urkunde in unserem Landesarchive, allerdings eine e:nz:ge, ist uns ein Beweis, dass die Zeiten des Bauernaufstandes auch in unserem Lande nicht spurlos vorübergegangen sind: In einem Ur- fehdebrief vom 4. Juni 1537 bekennt Georg Pargant von Balzers, Landammann zu Vaduz, dass er vor etlichen Jahren an einem «peu- rischen Aufruhr» gegen den Landesherrn, den Grafen Rudolf, teilge- nommen habe, «vergessen meiner Pflicht und Eide». Zur Abstellung dieses Aufruhrs hatten der Kaiser und Graf Rudolf einen «Tag», eine
        

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