— 30 — Beide Herren, Rudolf von Sulz und Ludwig von Brandis, waren durch den Krieg in ihrer Einstellung nicht geändert worden. Im Klett- gau war die Übernahme der alten Herrschaft schwierig, die Bauern wünschten Freiheiten, wie sie die Schweizer hatten, und so kam es, dass der Graf seine Dörfer durch den österreichischen Vogt zu Walds- hut mit Kriegsvolk besetzen lassen musste, das seinerseits wieder raubte, plünderte und den Keim zu neuer Unzufriedenheit legte. Im Schutz und Schirm des Hauses Osterreich Ludwig von Brandis aber suchte einen eigenen Weg. Die Nachbar- schaft der Eidgenossenschaft war für ihn beängstigend, und er suchte den Schutz Österreichs und des Kaisers Maximilian, des «letzten Rit- ters», der häufig in Innsbruck anwesend war. Dort ist ihm am 2. Mai 1505 ein «Schutz- und Schirmbrief» ver- liehen worden, der nach heutigen Begriffen einen Verteidigungspakt recht moderner Art darstellt. Das Original ist in unserem Lndesarchive erhalten, und es ist für unsere Geschichte so wichtig, dass wir hier einmal den Wortlaut (in Übertragung) wiedergeben wollen. «WIR MAXIMILIAN, von Gottes Gnaden Römischer König, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, zu Ungarn, Dalmatien, Kroatien König, Erzherzog zu Österreich, Herzog zu Burgund, zu Brabant, zu Geldern, Fürst zu Schwaben und Graf zu Flandern, zu Tirol, zu Görz etc, be- kennen für uns, unsere Erben und Nachkommen, dass wir angesehen haben die angenehmen und willigen Dienste, so der edle, unser lieber, getreuer Ludwig Freiherr zu Brandis, auch seine Vorfahren dem Haus Österreich mannigfaltiglich getan haben und er, auch seine Erben noch wohl tun sollen und mögen. Darum und aus besonderer Gnade haben wir als regierender Herr und Landesfürst des Hauses Österreich, und besonders der Inneren und Vorderen und der Lande der Grafschaft Tirol denselben von Brandis mitsamt seinen Landen und Leuten der Herrschaften Vaduz und Schellenberg unterhalb St. Luzien-Steig, oder wer diese innehaben wird, in unseren und unseres Hauses Österreich ewigen Schutz und Schirm aufgenommen und empfangen wissentlich kraft dieses Briefes.
        

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