— 16 — meisteramtes an den Hof Rudolfs II. nach Prag berufen, zu einer Zeit also, als in den Prager Hofwerkstätten die Kaiserkrone gebaut wurde. Ein Jahrzehnt später entstand sehr wahrscheinlich wieder in Prag der österreichische Erzherzogshut und nur wenige Jahre später ist der Entwurf für den liechtensteinischen Herzogshut zu datieren. Wohl aus Gründen der Rücksichtsnahme auf die neugeschaffenen In- signien des Kaiserhauses wird sich Karl entschlossen haben, auf d'e Ausbildung seines Herzoghutes als Bügelkrone zu verzichten8). Der gelehrte Leibarzt Kaiser Rudolfs IL, Anseimus Boethius de Booth fasste in seinem Buche «Lapidarum et gemmarum historia» das gesamte Wissen und den Aberglauben seiner Zeit über die Edelsteine zusammen9). Uraltes Gedankengut ist hier vereint mit den Anschau- ungen des Humanismus über das Geheimnis der dem Erdboden ent- stiegenen glänzenden und blitzenden Steine. Aus zweierlei Gründen soll dieses Buch hier kurz erwähnt werden. Einmal deswegen, weil die eben fertiggestellte Kaiserkrone Rudolfs II. in diesem Buche ausdrück- lich erwähnt wird und wir wissen, dass bei der Auswahl und Zu- sammensetzung der Edelsteine in eben dieser Krone weitgehend Rück- sicht genommen wurde auf die geheimen Kräfte und Wirkungen, die von diesen Steinen ausgehen sollten. Anderseits aber auch deswegen, weil Karl von Liechtenstein, der Boethius sicher persönlich kannte, das genannte Buch selbst besass und die Vermutung nicht von der Hand zu weisen ist, dass auch die an seinem Herzogshut verwendeten Steine, Diamanten, Rubine und Perlen nicht ganz ohne Rücksicht auf die Lehren des Boethius ausgewählt wurden. Untersuchen wir nun diesen Schmuck des Herzogshutes nach den bei Boethius gemachten Angaben, gelangen wir zu einem nicht uninteressanten Ergebnis. Der Diamant soll vor aller Zauberei und vor bösen Geistern schützen, de Booth hält es sogar für möglich, dass dieser blitzende Stein der Sitz der guten Geister sein könnte. Diese Deutung scheint bemerkenswert im Hinblick auf die aus Diamanten gefertigte Spitze des Herzogshutes. Der Rubin dagegen soll vor Krankheiten schützen und vor Giften; wenn seinem Träger Unheil droht, soll er dies durch eine dünklere Farbe anzeigen, ist die Gefahr beseitigt, erhält der Stein wieder seinen früheren Glanz. In ähnlicher Weise, wie der Rubin schützen auch die Perlen vor Giften und stärken die Gesundheit ihres Trägers. Diese schützende Kraft der Perlen wurde so hoch geschätzt.
        

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