— 170 — aber es ist in der für unsere Begriffe etwas süssen Auffassung, in der Staffage des Vorhanges und der Säulen ein ganz typisches Barockbild. Künstlerisch viel besser als das Hauptthema ist eine Episode, die auf diesem Bilde im Hintergrunde zu sehen ist. Sie ist im 40. Kapitel der «Blümlein des heiligen Franziskus» erzählt, das die Überschrift trägt: «Von dem Wunder, das Gott tat, als Sankt Antonius in Rimini den Fischen des Meeres predigte». Genau wie in der Legende zeigt uns der Maler den Heiligen an einer Flussmündung am Meere, und die «Brüder Fische» strecken die Köpfe aus dem Wasser, seine Predigt mehr ehrend als vorher die Irrgläubigen. Dieser Ausschnitt gehört zum Schönsten, was wir an Bildern im Lande besitzen. Zart und innig ist die Szene gemalt, romantisch säumen eine Stadt und Burgen das Ufer des Meeres, ein Segelschiff fährt auf den Wogen. Der Maler hat die idyllische Stimmung der Legende erfasst und mit feinem Gefühl wiedergegeben. Die schwebenden Engel und die rankende Rose bilden den Rahmen des Giebelbildes, auf dem die heilige Anna schützend die Hand auf die Schulter Marias legt, die sich ihr vertrauend naht, im Thema eine der recht seltenen Darstellungen Mutter-Tochter, und zweifellos vom Meister des Hauptbildes gestaltet. Der Altar auf der Evangelienseite ist dem Rosenkranze geweiht und auf dem Achitrav mit der Jahreszahl 1654 versehen. Die Verehrung des Rosenkranzgebetes ging gerade im 17. Jahr- hundert durch die ganze katholische Welt. Damals erst erhielt er die heutige Form und vor allem durch den Dominikanerorden die welt- weite Verbreitung. Der glänzende Seesieg, den die vereinigten spani- schen, venezianischen und päpstlichen Flotten im Jahre 1571 bei Lepanto über die Türken errungen hatten, galt als ein Werk unter dem Segen der Rosenkranzmadonna, und unser Maler Graesner stellte die- ses Ereignis in einem grossen Bilde in Santa Maria dar. Das Rosen- kranzfest erinnert an diesen Sieg. In Triesen hatte sich 1627 eine Rosenkranzbruderschaft gebildet, und ein Visitationsprotokoll von 1640 beschreibt den Altar der Evangelien- seite in der Pfarrkirche, woraus wir erkennen können, das die künst- lerisch wertvollen Plastiken von Erasmus Kern, die in der Pfarrkirche verwahrt sind und zum schönsten gehören, was wir im Lande besitzen, einst Teile dieses Altares gewesen sind. Es sind Maria, vor der die
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.