— 166 — Mutter Gottes mit dem Kinde betrachten, das sich zur Mutter erhebt, eine Kopie des Innsbrucker Maria-Hilf-Bildes von Lukas Cranach, eines der grössten deutschen Maler. In den Alpenländern sind viele hundert solcher Kopien erhalten, und das Motiv ist eines der belieb- testen der christlichen Kunst. Als ich mit Herrn Walter Wächter in der Kapelle war, um die Photoaufnahmen zu dieser Arbeit zu besprechen, fanden wir zu un- serer Überraschung die Signatur des Künstlers: «G. W. Gresner fecit 1654». (Die Schreibweise ist sonst meist Graesner). Herr Dr. E. Poeschel hat zum ersten Male in seinem sechsbändigen Werke «Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden» die Arbeiten dieses Künstlers behandelt. In Furth im Lugnez (1643), in Soazza im Misox (1645) und der Klosterkirche Disentis (1652) hat Graesner Altarbilder gemalt und signiert, in Santa Maria di Calanca Wandge- mälde (1646) und drei grosse Ölbilder (1647). Eines davon ist für uns besonders interessant, weil der Künstler auf ihm das gleiche Motiv behandelt. Aber in Santa Maria werden alle Apostel und viele heilige Männer und Frauen dargestellt, und die Komposition wirkt weniger wuchtig, überladener als das Triesner Bild. Auch hier sind die beiden Volksheiligen Franziskus und Domi- nikus in den Vordergrund gerückt, aber weniger hervorgehoben. In Santa Maria di Calanca richtet Christus seine Lanzen auf das am unteren Bildrand dargestellte Dorf, während in Triesen eine allge- meiner gehaltene Gebirgslandschaft nur angedeutet ist, mit einem stilisierten Barockbau, der sicher nicht in unserem Lande stand. Das Triesner Bild ist einfacher, eindrücklicher, reifer, vielleicht weil es später gestaltet wurde. Graesner schrieb unter ein Wandbild in Santa Maria: «Georgius Wilhelmus Graesner Constantiensis Curiae habitans», er gibt also selbst an, aus Konstanz zu stammen und in Chur zu wohnen. Unser Maler ist gewiss nicht einer der grossen Künstler seiner Zeit, und Dr. Poeschel charakterisiert seine Werke treffend als «Zeug- nisse einer etwas trockenen Art, die über die Grenzen des wackeren handwerklichen Durchschnitts kaum hinauskommen», und sieht den Meister als einen typischen Vertreter seiner Zeit, der mehr das Auge des Stechers hat, so dass neben dem Versagen im Monumentalen das Gelingen im Kleinen, Genremässigen steht.
        

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