— 164 — in Europa und auch bei uns, der fürchterliche Dreissigjährige Krieg kam in letzter Phase auch in unsere Gegenden und forderte schwere Opfer, und Hunger war immer der Begleiter von Krieg und Seuchen. Dazu kam der Hexenwahn, der nirgends so entsetzliche Formen an- nahm wie in unserem Lande. War es zu wundern, dass im Geiste des Alten Testamentes die schreckliche Zeit als Strafe Gottes für die Sün- den der Menschen angesehen wurde? Aus dieser Auffassung entspringt die Idee unseres Bildes, und wir können sogar verfolgen, wie das Motiv in unserem Bereiche Einzug hält. Im Pestjahre 1636 geloben zur Abwendung der Seuche, der grässlichsten, die es jemals gab, Stadt- amann und Rat der Stadt Feldkirch einen neuen Altar zu Ehren der Mutter Gottes, der grossen Fürbitterin. Zur Ausführung war Giulio Benso, ein Maler aus Genua, ausersehen, der Feldkircher Handels- leuten von ihren Geschäftsreisen bekannt war. Aus der noch erhal- tenen Korrespondenz erkennen wir, dass das Motiv des Altarbildes dem Wunsche der Auftraggeber entspricht, denn es sollte dargestellt werden «Christus, auf die Stadt drei Pfeile werfend, solche zu strafen, und Maria, mit St. Dominicus und Franziskus in habitu Capucinorum, solche Strafen abdrängend». Die drei Pfeile symbolisieren Krieg, Pestilenz und Hunger, die grössten Nöte der Zeit. Das Feldkircher Bild ist nicht mehr erhalten, aber sein Motiv kehrt in Vorarlberg in der Friedhofkapelle in Bregenz, auf dem Hochaltar in Götzis und in Laterns wieder, und unser Triesner Altarblatt stimmt mit den Angaben der Feldkircher Stadtväter genau überein. Die Wahl des Themas, das uns heute gar zu drückend für einen Hochaltar erscheint, lässt sich nur aus dem Grauen des Volkes vor den Nöten der Welt und der Zeit erklären, aber auch aus der gläubi- gen Hoffnung auf Versöhnung. Beides ist in unserem Bilde vereint, und es ist bezeichnend, dass der Gläubige zuerst bei Maria, der Für- bitterin im Himmel, dann aber bei den beiden volkstümlichen Heili- gen der Bettel- und Predigerorden Hilfe sucht, die unseren bäuerlichen Vorfahren immer besonders lieb und teuer waren, bei Franziskus von Assisi und Dominikus. Für die Zeit der Erbauung der Kirche und für die Glaubenshaltung unserer Vorfahren könnte es kein kennzeichnenderes Motiv geben als das des Hochaltares unserer Kapelle. Wie ein wiederholtes Motiv der Vrsöhnung mutet es uns an, wenn wir im Giebelbild des Altares die
        

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