— 162 — 1610 wieder an das Kloster über, und es erfolgte Verpachtung an Lehensleute, mit denen es manche Anstände gab. Diese Lehensleute des Klosters beantragten im Jahre 1653 einen Neubau, und schon am 12. Mai dieses Jahres bewilligten die in Weissenau versammelten Aebte der schwäbischen Provinz des Prämonstratenserordens, «anstatt der alten Capell wohl eine neue und zierliche aufzubaun». Ohne Zögern schritt man an die Ausführung, und schon am 29. September 1654 erfolgte die Neueinweihung des Gotteshauses und seiner drei Altäre, die zu Ehren der heiligen Mutter Gottes, der heiligen Anna und des Rosenkranzes konsekriert wurden. Der Bau, wie wir ihn heute sehen, ist ein Werk aus den Jahren 1653/54. Ganz einfach ist er gehalten, ohne den Prunk und den Zierat, wie ihn die Barockzeit liebte, eine schlichte Landkapelle blieb er bis heute, und er wirkt noch unscheinbarer durch den Hintergrund der riesenhaften Fabrikfront, vor der er steht. Und doch hat die Kapelle etwas Einmaliges in der Reihe unserer Gotteshäuser: «Die Marienkapelle zeichnet sich vor den anderen Kapellen des Landes dadurch aus, dass sie noch eine stilistisch einheitliche ältere Altarausstattung besitzt». So würdigt Dr. Erwin Poschel in seinem Werke «Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein» dieses Besondere, und von den Altären und ihren Bildern soll hier die Rede sein. Das Bild des Hochaltars ist durch sein Motiv, die Person des Künstlers und den Stifter für uns von besonderem Interesse. Wir haben ein sogenanntes Pestbild mit dem Motiv von Gottes Zorn vor uns: Auf einer Wolke mächtig einherschreitend, hält Chri- stus drei Lanzen hoch, um sie gegen die Erde zu schleudern, und ober ihm schwingt Gott Vater drohend das Zepter seiner Macht. Vor Chri- stus aber kniet Maria mit bittender Gebärde, und im Vordergrund heben die Ordensstifter Franziskus und Dominikus, zwei Lieblings- heilige des Volkes, flehend die Hände über der Erdkugel und gegen den Heiland empor. Drei heilige Frauen und eine Schar von Engeln schliessen sich dem Streben nach Versöhnung an, und es ist köstlich zu sehen, wie ein kleiner Enge! Gott Vater am Mantel zieht, um ihn zurückzuhalten. Das Bild ist ein Symbol für die Zeit, in der es entstand: Es war die furchtbarste in unserer Geschichte. Die Pest wütete allenthalben
        

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