wohl zu verstehen. Von ihnen ausgehend müsste man heute in Liech- tenstein gerade aus Vorarlberg besonders wertvolle und auch zahl- reiche geschichtliche Aufschlüsse aus Urkunden erwarten. Leider bleibt aber die Wirklichkeit weit hinter den Hoffnungen zurück. Das hat seine guten Gründe: Gerade die Grundrichtungen der politischen Ent- wicklung in Vorarlberg waren der Erhaltung reicherer, Quellenbestände nicht günstig. Das frühe Ausscheiden einer im Lande sitzenden stabilen Fürstenmacht, die vielen Brüche im Erbgang ihrer Epigonen, die Be- sitzübergänge an ausländische Herren störten und zerstörten das Wachtstum grösserer Archivkörper, das ohnehin nie so behütet war wie in den Sitzen geistlicher Herren. So wurde vieles verschleppt und verloren, vieles fand auch nicht den Weg in die ferne Zentrale nach Innsbruck. Klöster von Bedeutung fehlten dem Lande mit Ausnahme Mehreraus. Der frühe Abstieg des zahlreichen Kleinadels schon im 14. Jahrhundert, sein Aussterben oder seine Auswanderung brachten weitere grosse Verluste. Die Demokratie der ländlichen und städtischen Gerichte lebte in der Frühzeit nach ungeschriebenen Gesetzen des Herkommens und trat in erster Linie in den Fällen bewaffneter Landes- verteidigung in Aktion, wobei es ohnehin mehr der Taten als der Schriftstücke bedurfte. Im übrigen hatten die Gerichte und die Gemein- den ihr betontes Eigehdasein, zwar mit nachbarlichen, sonst aber nur spärlichen Beziehungen. Nur in den Städten konnten diese zahlreicher sein und ihren Niederschlag finden. Diese vielen kleinen Archive des gemeinen Mannes, denen eine grössere geschichtliche-Bedeutung als anderswo zugekommen wäre, konnten aber ihren Bestand bei allem guten Willen nur bruchstücksweise in spätere Zeiten retten. Brand und achtlose Verschleuderung dezimierten sie auf dem Lande mehr noch als in den Städten, wo heute auch nur mehr kleine Bestände erhalten sind. Die Unterbrechung der historischen Lebensformen durch den modernen Absolutismus des 19. Jahrhunderts wirkte sich ebenfalls verheerend aus, vor allem, weil zahlreiche Bestände sowohl herrschaft- licher Ämter wie säkularisierter geistlicher Anstalten, aber auch Her um ihr politisches Erbe betrogenen Gerichte ihren praktischen Wert verloren. So wurden noch an der Schwelle des 19. Jahrhunderts für Liechtenstein besonders wichtige Archive, wie das Vogteiamtsarchiv Feldkirch oder das Archiv des Rankweiler Landgerichtes fast vernich- tet, benachbarte Gerichtsarchive, wie das von Rankweil-Sulz, Sonnen- berg usw. schwer getroffen. Landfremdes Beamtentum und einheimi-
        

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