— 36 — Fettschweine, Fleckvieh sind, um nur einige ganz willkürliche Beispiele anzuführen, Erscheinungen, die nur unter der'Einwirkung des Menschen- • entstehen konnten und nur unter seiner Obhut lebensfähig sind. Der Weg von der ersten Haustiernahme vor etwa 12 000 Jähren bis zu den Jieutigen Zuchtmethoden ist ein langer. Man hat die Domestikation mehrfach' das größte zoologische Experiment aller Zeiten genannt. Dabei erwies sich einerseits der Mensch als großartiger Experimentator; andererseits trat eine fast unbegrenzte Zahl neuer Größen-, Färb- und Formvarianten usw. auf, wie sie schlechthin nicht vorauszusehen wa- ren. Es zeigte sich, daß in der Schöpfung Möglichkeiten vorhanden sind, die ins Unermeßliche gehen. Y Die Haustierforschung wurde in den letzten Jahren intensiviert. Biologen, Tierzüchter und Kulturhistoriker sind alle -gleichermaßen daran interessiert, daß die Ergebnisse des einst unbewußt begonnenen Domestikationsexperimentes ihrer Bedeutung entsprechend ausge- schöpft werden. Die Forschung ist in vollem Gang, und so ist es be- greiflich, daß die Anschauungen sich schnell wandeln und daß fast laufend heue, z. T. überraschende Resultate mitgeteilt werden. Vor allem steht die heutige Forschung; was die Rassen der prähi- storischen Haustiere anbelangt, auf einem wesentlich andern Stand- punkt als noch vor einem oder zwei Jahrzehnten: Unter dem Einfluß der klassischen Arbeiten L. RÜTIMEYERs (1860, 1861) über prähisto- rische Haustierfunde der Schweiz und später unter der Führung der Wiener Schule wurde während fast einem Jahrhundert die Meinung aufrecht erhalten, daß in prähistorischer Zeit jede Haustierart durch mindestens zwei Rassen vertreten gewesen sei. Bei'jeder Untersuchung war man bestrebt, die geborgenen Knochen nicht allein nach Arten, sondern auch nach Rassen zu ordnen. Im Zusammenhang-damit hatte sich auch die Ansicht durchgesetzt, daß die verschiedenen Haustier- rassen auf- verschiedene, oft hypothetische Wildformen zurückgeführt werden müßten. • Dem- gegenüber wird heute betont, daß in vorgeschichtlicher Zeit jede Haustierart nur durch eine einzige Form vertreten gewesen sein kann: Wenn das individuelle Alter der Tiere, der Geschlechtsdimor- phismus und die bedeutende genetisch. und exogen bedingte Varia- bilität berücksichtigt werden, ist ein Abgrenzen von Rassen ausge- schlossen, und das Suchen nach einer Mehrzahl von Wildahnen entfällt.
        

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