- 365 — linken oberen Scheibenecke hin: St. Ulrich im Bischof sörnat, in der Rechten ein Buch mit einem Fisch.14 Dasselbe Bemühen um die Indi- vidualisierung der in der Scheibe abgebildeten Stifter ist auch auf der rechten. Scheibehhälfte festzustellen. Im säulentragenden Frauenkopf soll Barbara, von Hallwil erkannt werden. Und die Wiedergabe ihrer Namenspatronin soll auch hier diese Erkenntnis unterstützen. Die hei- lige Barbara versammelt in barocker Manier fast alle Attribute, die ihr beigegeben werden können: Turm, Palme und Kelch; es fehlt nur mehr die Fackel. Die Heiligenattribute sind dem. Maler der Scheibe zur blosr • sen Staffage geworden und stehen kaum in einem innern Bezug zur Heiligen*.15 Im Zug der Objektdeutung bleibt noch die Landschaft zu unter- suchen, die als Band die obere Scheibenzone abschliesst und als kom- positionelles Gegengewicht zur Inschrift dient. In der Landschaft ist eindeutig die Gegend von Balzers mit dem Gutenberg und der Luzien-. steig erkennbar. Vor allem kommt die militärische Funktion der Fe- stung Gutenberg zur Darstellung. In das nördlich der Burg gelegene Lager zieht ein Trupp Soldaten ein, während eine zweite Formation im Angriff gegen die Luziensteig steht, wo das Mündungsfeuer abwehren- der Kanonen sichtbar ist. Der Rhein zieht als Band durch die linke und rechte untere Bildhälfte. Bei den beschriebenen militärischen Vorgän- gen mag der Stifter an ganz bestimmte Ereignisse, die sich während seines Dienstes als Burgvogt ereigneten, gedacht haben, die aber in der Darstellung kaum näher zu verifizieren sind. Die Burg Gutenberg ist in dieser Landschaftsskizze den jüngst aufgefundenen Plänen und Zeichnungen von anfang des 18. Jahrhunderts sehr ähnlich.1*' Eine Klärung verschiedener baulicher Details an der Burganlage ist ,auf Grund dieser Wiedergabe allein kaum erreichbar, da der künstlerischen Freiheit in der Darstellung derartiger Anlagen stets. Rechnung getragen werden muss. Das gleiche gilt auch im Hinblick auf die Wiedergabe des Dorfes Balzers. Am deutlichsten ist*die Kirche erkennbar. Mit einer 14.- Braun J., Tracht und Attribute der Heiligen in der Deutschen Kunst, Stutt- gart 1943, Sp. 702 f.; der Fisch ist das individuelle Attribut des hl. Ulrich, der versehentlich an einem Freitag einem herzoglichen Boten ein Stück Fleisch reichte, das sich bei der Übergabe in einen' Fisch verwandelte. 15. Braun J., 1. c, Sp. 113 ff., besonders Sp. 116. 16. Frick A., Die Feste Gutenberg vor 250 Jahren, JbL 1956, 49 ff.
        

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