— 362 — und Bogensysteme. In einer zweiten Phase, die etwa 1570 einsetzte, wurden die architektonischen Beigaben mit rein dekorativem Rollwerk, mit Kartuschen, die später meist ausgeschnittene und eingerollte Kon- turen zeigen, ausgewechselt. Allegorische Gestalten nehmen nun einen breiten Raum ein. Eine dritte Entwicklungsstufe zeigt wieder die Ge- Gestaltungsari vorgängiger Generationen, ohne aber mit der Entwick- lung zeitgenössischer Kunst Schritt zu halten. Damit ist auch das Ende dieses Kunstzweiges angezeigt: nach Mitte des 18. Jahrhunderts ist der Brauch nahezu ausgestorben.2 In der neuerworbenen Kabinettscheibe des Landesmuseums stehen die beiden Wappenschilde auf der erwähnten breiten Schriftentafel, die links und rechts von zwei grossen Kartuschen gehalten wird, wäh- rend oben und unten Rollwerk und ausgeschnittene Konturen den Text begleiten. Die Zier ist in der oberen Mitte auf eine grössere Kar- tusche mit Puttenköpfen hinkomponiert. Von links und rechts neigen sich die Schilde der Kartusche zu. Rechts (vom Betrachter aus) erkennt, man'das Wappen derer von Hallwil: schwarzer Flug in Gold. Die übliche Zier überwuchert das Schild mit dem Helm in der Mitte, bekrönt vom Flügelmotiv des Wappenschildes.3 Und neben dem be- schriebenen Schild das Wappen derer von Ramsch wag: in Silber zwei goldgekrönte rote Löwen übereinander.4 Der dem Schild aufgesetzte Helm trägt eine Krone, aus welcher drei bekrönte Schwanenköpfe wachsen. Drei Säulen schaffen den Schilden einen eigenen Raum und tragen zugleich den dünnen Architrav, den in der Mitte und zu beiden Seiten barocke Zier überlagert. Die beiden seitlichen, grobkannelierten Säulen werden atlantenartig von zwei Figuren getragen. Hinter den beiden seitlichen Säulen täuschen Pilaster mit gelben Kapitellzonen Tiefenraum vor. Über dem Architrav ist der Blick in eine Landschaft freigegeben, die von zwei Marmorsäulen seitlich begrenzt wird. In den beiden ausgesparten anschliessenden kleinen Feldern steht je eine Heiligenfigur. 2. Gantner J., Reinle A., 1. c, 119 f. 3. Hist. Biogr. Lex. d. Schweiz, IV. Bd. 63. 4. Hist. Biogr. Lex. d. Schweiz, V. Bd. 526; Büchel J. B., Gesch. d. Feste und Herrschaft Gutenberg, JbL (Jahrbuch d. Hist. Vereins 'für d. Fürstentum Liechtenstein), 1914, 37; die beiden Löwen scheinen hier im Gegensatz zum eigentlichen Wappen wahrscheinlich aus ästhetischen Gründen seitenver- kehrt angebracht.
        

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