— 323 — dessen Heimat Saragossa folgern und damit eine spanische Siedlung postulieren. Wenn aber andere Gründe noch vorhanden sind, sprach- liche, rechtsgeschichtliche, volkskundliche, dann kann das Theoduls- Patrozinium im Verein mit diesen Indizien ein Wort reden. Es ist ohne Zweifel, dass gerade die Walsersiedlungen in Graubünden den Heiligen ' als Exponenten aufweisen. • •' - ' . Beginnen wir mit der ältesten in Ursern. Bis 1643 feierte man dort nicht etwa die Patrone des Churer Bistums, zu welchem das Tal seit -y altersher gehörte, sondern den hl. Theodul. Und man-feierte ihn, ob- wohl sein Fest in den August, den Heumonat fiel. Es musste schon der Churer Bischof in genanntem Jahre den Kult der Churer Heiligen anordnen. Reliquien des Walliser Heiligen sind .seit Anfang des 16. Jh. schriftlich belegt. Dazu passt, dass 1491 in der Marienkapelle zu Hos- pental St. Mauritius der zweite Patron war.1) In Obersaxen ist uns zwar der hl. Theodul weder als Haupt- noch als Nebenpatron belegt, aber man feierte noch 1730 sein Fest als Feiertag.2) In Tschappina im Kreise Thusis bestand vor der Walsereinwanderung keine Kapelle. Sie ist vielmehr ein Werk der neuen Kolonisten, welche das Heiligtum dem hl. Theodul weihten, dessen Patrozinium 1459 urkundlich erwiesen ist.:J) Von Davos-Dorf mit seinem Theoduls-Titel des 14. Jh. war schon die Rede.4) So darf man auch in Masescha aus dem Nebenpatron die walserische Abkunft bekräftigt sehen.5) Zwei typisch spätmittelalterliche Patrozinien sollen hier noch her- vorgehoben werden. Zunächst St. Wolf gang im Meierhof zu Triesen. Die Kunstgeschichte spricht von einem spätgotischen Bau. Das dürfte stimmen. Wohl wurde der hl. Wolfgang, der 972 — 994 Bischof von Regensburg war, schon 1052 durch Papst Leo IX. kanonisiert; aber diese Erhebung veranlasste, wie es scheint, nur wenige Kirchengrün- dungen. «Die meisten Wolfgang-Kirchen haben weder mit dem Grab des Heiligen noch mit seiner Heiligsprechung eine Beziehung, sondern ') Wymann E. in Zeitschrift f. Schweiz. Kirchengeschichte 32 (1938) 69-70. -) Bündner Monatsblatt 1931 S. 311. 3) Poeschel III. 222. .' ' ' 4) Andere Beispiele bei Kreis 1. c. (Avers, Safien usw.). 5) Ohne das Material systematisch und kritisch zu werten, glaubte Schwimmer Joh.,'Der Walser Heilige Theodul, Bündner Monatsblatt 1957 S. 189-207, überhaupt an einem Zusammenhang zwischen dem Heiligen und einer • Walsersiedlung zweifeln zu können, was zu weit. geht.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.