— 321 - «Wingarten von Sant Flurin».1) Die Kulthöhe des Heiligen von Reniüs beginnt mit dem Ende des 10. Jh. und setzt sich noch bis ins 13. Jh. fort. Beleg dafür ist noch die erste Vita des Heiligen aus der 2. Hälfte des 12. und die zweite Vita aus dem 13. Jh. Man könnte sich also eine Florinus-Kapelle im 12./13. Jh. leicht vorstellen.2) Dem Hochmittelalfer zuzuweisen ist die frühere romanische Kirche von Mauren, die ßt. Peter und Paul geweiht ist. Des öftern wurden ursprüngliche Peterskirchen später zu Kirchen der beiden Apostel- fürsten gemacht, wie das z. B. bei Obersaxen der Fall war.3) Aber schon in frühen Kirchen walten die beiden Apostel als Schützer, übrigens besonders seitdem Cluny Anfang des 10. Jh. Petrus und Paulus zu seinen Titelheiligen erwählte.4) Schliesslich könnte das Patrozinium von Mauren freilich auch ein Rest eines allgemeinen Apostelpatro- ziniums sein (SS. Apostoli). Eine romanische Kirche wird auch St. Gallus in Thesen genannt, die Nachfolgerin von St. Mamertus. Tatsächlich kommt das! Patro- zinium nicht nur im Frühmittelalter, sondern auch sehr, viel im 11./12. Jh. im konstanzischen Bistumsgebiet vor.5) Man vergleiche hiezü etwa die Hospizkapelle St. Gallus am Lukmanier, 1261 urkundlich belegt, erbaut wohl im 11. Jh. Auch das Gallus-Patronat von Laax, urkund- lich um 1309 belegt, spricht dafür. Eine crux für die Forscher bildet St. Georg in Hinterschellenberg. Hier muss die Patroziniumsforschung ihre Karten hinlegen, denn der Heilige war ebenso im Frühmittelalter beliebt, wie insbesondere die rätischen Georgskirchen zeigen, dann in der Epoche der Kreuzzüge und in den spätfeudalen Zeiten.6) Wollen wir nicht der tückischen Gefahr einer Täuschung erliegen, so werden wir uns klugerweise auf die docta ignorantia zurückziehen. Ein Fund, eine Mauer könnte jedes frivole Rätselraten entlarven. ') Perret F., Liechtensteinisches Urkundenbuch I. 1 (1948) 334. 2) Näheres Jahresbericht der histor.-antiquarischen Gesellschaft von Grau- bünden 88 (1958) 1 ff. 3) Poeschel IV. 284-285. 4) Tüchle H., Dedicationes Constantienses 1949 S. 131-132.. 5) Tüchle 108-109. c) Tüchle 110. Lehner J. B., Die mittelalterlichen Kirchen-Patrozinien des Bistums Regensburg 1 (1953) 30-31.
        

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