— 315 — richtet.1) Der Nachfolger des hl. Mamertus, der hl. Avitus von.Vienne, berichtet näherhin, der Heilige habe einmal in einer Osternacht ein gewaltiges Feuer in einem öffentlichen Gebäude durch sein Gebet und seine Tränen bald gelöscht. In dieser Nacht habe St. Mamertus den Plan zu den genannten Rogationen gefasst.2) Von Vienne aus ging dann die Form der Bittgänge auf ganz Gallien über, und von dort aus über das christliche Abendland. Das bezeugt uns der fränkische Ge- schichtsschreiber und Bischof Gregor von Tours (f 594) in seinem Ge- schichtswerke Historiae (Lib. II. Kap. 34), der nochmals erwähnt, wie St. Mamertus die Bittlitaneien einführte und am Schlüsse zusammen- fassend konstatiert: Quae usque nunc in Dei nomine per omnes eccle- sias in conpunctione cordis et contritione Spiritus caelebratur.3) Aller- dings darf der Ausdruck per omnes ecclesias nicht gepresst werden, denn in Rom führte erst Papst Leo III. um 801 bei Gelegenheit eines grossen Erdbebens in Italien diese Litania gallicana ein.4) Die Verehrung des Heiligen verbreitete sich rasch. Zunächst wurde sein Name in das etwa im 7. Jh. entstandene sog. Martyrologium .des hl. Hieronymus aufgenommen.5) Die Kultspuren zeigen aber am deut- lichsten auf den Norden des Frankenreiches und auf den Unterlauf des Rheins und von dort auf das Gebiet der Donau hin. Dafür Belege sind einmal die Kaiendarien von St. Denis und Amiens (9. Jh.), von ') Sidonii Apollinaris ep.'V.: Quarum (rogationum) nobis sollemnitatem pri- mus Mamertus pater et pontifex reverentissimo exemplo, utilissimo expe- rimento invenit, instituit, inyexit. Der ganze Passus samt der epistula VII. von Apollinaris siehe MGH Auetores antiquissimi VI. 2 (1883) 108 An- merkung. °) MGH Auetores antiquissimi VI. 2 (1883) 110: Praedecessor namque meus et spiritalis mihi a baptismo pater Mamertus sacerdos . . . totas in ea quamsupra diximus vigiliarum nocte saneto paschae coneepit aniiruj roga- tiones atque ibi cum Deo tacitus definivit, quiquid hodie psalmis ac pre- eibus mundus inclamat. . :l) MGH Scriptores mer. merovingicarum I. 1 
;(1951) 83 — 84. Lat. und deutscher • Text bei Buchner R., Zehn Bücher Geschichten von Gregor v. Tours Bd. 1 (ohne Jahresangabe) 127-129. 4) Kirchenlexikon 8 (1893) 584 - 586. Lexikon für Theologie und Kirche 6t (1934) 839. 5) Delehaye H., Commentarius Perpetuus in Martyrologium Hieronymianum 1931 S. 247- 248 zum 11. Mai (= Acta Sanctorum, Nov., Tom. II.'pars posterior).
        

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