— 314 Donatuskirche in Obervaz (Kreis Alvaschein).1) Merkwürdig ist, dass sich sonst im ganzen Gebiete von Chur bis Sitten, vom Tessin bis Aargau keine Donatuskirche feststellen lässt, was die beiden rätisch- karolingischen Kirchen nur umso mehr hervorhebt. Diese Charakte- ristik gewinnt noch an Relief, wenn wir in den Libri Confraternifatum diesen Namen in Pfäfers, Disentis und Müstair vertreten finden. Dass er aber auch in Luxeuil und Tours vorkommt, möchten wir nicht ver- schweigen, denn dadurch gewinnen wir einen Anhaltspunkt für dessen Herkunft.2) Das Stichwort Luxeuil ist hier geradezu wegleitend. Es wird sich also nicht um den Bischof und Märtyrer Donatus von Arezzo (4. Jh.) handeln, sondern um den Bekennerbischof Donatus von. Besangon (f nach 656), dessen Fest auf den 7. August fiel und den schon das Churer Gelasianum von ca 800 liturgisch hochhielt.3) Der hl. Donatus war auf das Gebet des hl. Kolumban geschenkt, wie der Name sinnvoll andeutet, und dann im Kloster Luxeuil erzogen worden. Später gründete "er ein Kloster Palatium, dem er zur Regel des hl. Ko- lumban noch die des hl. Benedict gab.4) Vom Frankenreich also kam die Verehrung des hl. Donatus, die im 7. oder 8: Jh. auch in der guten- bergischen Kirche einen Ableger fand. Von der Donatuskapelle wandern wir 
zu SUjAamiertus in Triesen. wohl die stimmungsvollste alte. Kirche im ganzen Lande. Dass hier schon eine Nekropole der frühchristlichen Zeit lag, ist bezeichnend. Der gestelzte Grundriss der Apsis ist nach-den entsprechenden Bau- werken Rätiens ohne Schwierigkeit in das 9. oder 10. Jh. zu setzen. Zu dem eigenartigen und auch einzigartigen Gotteshaus passt der seltene Patron St.' Mamertus. Der Bischof des südfranzösischen Vienne (ca 461 — 475) gab den Bittprozessionen vor Christi Himmelfahrt ihre feste Form, wie sein Zeitgenosse und Freund Apollinaris Sidonius be- >) BUB I. S. 395. Vergl. S. 23 nr. 17'zu 765 (Tello-Testament), wo bereits ein • Zeuge Iustinianus miles de vico Moldene, also von Muldain in der Ge- meinde Obervaz, genannt wird. , ;) _MGH Libri Confraternifatum ed. Piper 1884 S. 431 (Register). 3) Mohlberg K., Das fränkische Sacramentarium Gelasianum 1939 S. 160. Auch Disentis feierte diesen Bischof von Besancon im 12. Jh. Müller I., Disentiser • Klostergeschichte 1 (1942) 264. J) Lexikon für Theologie und.Kirche 3 (1931) 409.
        

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