— 310 — Pfäfers und Disentis. In der 2. Hälfte des 8. Jh. zählte Disentis 3 Mön- che dieses Namens.1) Nicht zuletzt ist beachtenswert, dass Pfäfers so- wohl in seiner Abteikirche ca 880 wie in seiner Leutkirche St. Evort um 900 Reliquien des römischen Märtyrer-Diakons besass.2) Zieht man aus all diesen Gegebenheiten den Schluss, so möchte man vermuten, das Schaaner Laurentiuspatronat gehöre noch spätestens in die karo- lingische, möglicherweise sogar in die vorkarolingische Zeit hinein. Wahrscheinlich stammte es aus Rätien, könnte jedoch noch vom Lau- rentiuskult im Frankenreiche unterstützt worden sein. Noch ins Frühmittelalter hinein gehört die Pfarrei Bendern. Am besten gehen wir von dem grossen Umfang der Pfarrei aus. Sie um- fasste Gamprin-Bendern als Kern, dann Schellenberg (1881 Pfarrei), Ruggell (1874 Pfarrei), weiter Aspen und Berg (beide seit 1856 zu Eschen), weiter Sennwald (1422 Pfarrei), Salez (1514 Pfarrei)" und Haag (1637 Pfarrei). Die drei letzten Pfarreien liegen links des Rheines, die letzte Haag wurde protestantisch. Poeschel bemerkt dazu wörtlich: «Aus der Weiträumigkeit der alten Pfarrei und besonders daraus, dass sie über den Rhein hinübergreift, darf man wohl .schliessen, dass die Gründung des Gotteshauses von Bendern in die Zeit der Christianisie- rung des Landes zurückgeht». Diese These weiter zu unterbauen, ist archaeologisch nicht möglich, da bislang nichts von einer frühmittel- alterlichen Kirche gefunden wurde. Wohl aber weist- der Bearbeiter der Kunstdenkmäler daraufhin, dass die Hälfte des Hofes und der Kirche 1045 dem'Kloster Schanis gehörte, und schliesst daraus auf ein «Dotationsgut des im 1. Viertel des 9. Jh. von dem fränkischen Gau- grafen Hunfried gegründeten Klosters». Wenn man auch vielleicht hier den Begriff «Dötationsgut» genau wie bei Eschen nicht allzu eng fassen darf, so ist .doch tatsächlich eine Wahrscheinlichkeit für eine Gründung oder Mitbegründung von Schänis nicht abzuleugnen.3) Das Patrozinium der Kirche wird uns 1208 überliefert. Es lautet auf den Muttezgottestitel.*) Beziehungen zu Schänis sind, hier also nicht ') MGH Libri Confraternitatum 1884.S. 173, 360, 379, 380, 381, 388. 2) Perret F., Urkundenbuch der südl. Teile des Kt. St. Gallen 1 (1951) 52, 62. 3) BUB I. S. 149 nr. 185 zu 1045. ' , 4) BUB II. s)31 nr. 518 zu 1208: ecclesiam sancte Marie in Benedur cum capella ex ea pendente. Unter letzterer verstehen die Editoren die Kapelle St. Anna in Salez-Sennwald, also wohl die fast entfernteste Tochterkirche.
        

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