— 304 — lieh finden wir ausgerechnet um 500 zwei Taufkirchen in beträcht- licher Distanz vom bischöflichen Zentrum. Die eine befand sich in Zillis, sicher nicht zufällig, denn es lag einerseits auf dem Wege von Chur nach Chiavenna-Como, anderseits auf dem Wege über den Bern- hardin nach Bellinzona-Mailand. Auf der gleichen chronologischen Stufe steht Schaan. Auch es lag an einer wichtigen alten Strasse nach Bregenz und sogar nach Augsburg. Die Bedeutung von Bregenz ist be- kannt, fand doch dort der hl. Kolumban um 610 eine von den Aleman- nen zerstörte Kirche der hl. Aurelia. Also muss die Bregenzer Kirche schon geraume Zeit vorher existiert haben.1) Die Patrozinien beider Kirchen, von Zillis und von Schaan, sind natürlich nicht für diese frühe Zeit überliefert, für welche nur archä- ologische Befunde einstehen. Aber da das Martinspatrozinium für Zillis für 940, das Petruspatro'zinium für Schaan wenigstens für 1298 belegt ist, beide Kirchen aber am gleichen Orte standen, so darf man an der Konstanz-beider Patrozinien kaum zweifeln. Es liegt gar kein Grund vor, einen Wechsel des Titels anzunehmen. Anders, wenn die späteren Kirchen nicht am gleichen Platze stehen (vergl. Crepault-Trüns). Die ecclesiae baptismales gehören ohne Zweifel zu den vorzüglichsten. Noch Bischof Victor klagt um 823, dass ihm nur noch 6 solcher Tauf-' kirchen übriggelassen worden seien. Offenbar hatte ihm die fränkische Gewalt zahlreiche solcher ecclesiae baptismales weggenommen'.2) Nun ist es merkwüdig, dass wir zwischen Chur und Bregenz nicht wenige Petruskirchen nachweisen können. Zunächst befand sich eine solche in Rankweil, dem alten Vinomna. Wir können hier zwei alte Kirchen feststellen, eine Marienkirche und eine Petruskirche. Das spricht an sich schon-für das hohe Alter und die Bedeutung der Sied- lung. Die Muttergotteskirche war eine bischöfliche Pfarrkirche, wäh- ') MGH Scriptores rer. merov.. 4 (1902) 260-261, 283, 289-290. Der Titel St. Aurelia überliefert nicht die Gallusvita von Wetti, sondern erst diejenige von Wahlafried Strabo. Zum Namen Perret Fr., 1100 Jahre Pfarrei Sargans 1950 S. 32. 2) Bündner Urkundenbuch ed. Meyer-Marthaler E. und Perret Frz. 1 (1955) 39 nr. 46 zu c. 823. Das grundlegende Werk ist hier jeweils mit BUB zitiert. Über das Alter der beiden Patrozinien siehe Ewig E. im Historischen Jahr- buch (im Druck).
        

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