— 296 — auch noch als Zeugen für eine fortdauernde Besetzung bis ins frühe 5. Jh. hinein gelten zu können. Demgegenüber ergibt sich jedoch schliesslich noch ein gewisser Anreiz zu historischen. Spekulationen anhand der spärlichen Über- lieferung und unserer beiden vielleicht «ostgermanischen» Kämme auf folgende Weise: Im Herbst 401 fielen Horden von Vandalen und Ala- / nen in Noricum und, Rätien ein. Ihnen galt Stilichos Alpenübergang über den Splügen im Winter, der eindrücklich bei Claudian festgehalten ist. Stilicho nimmt diese germanischen Verbände in sein Heer auf und zieht 402 mit ihnen über den Brenner wieder nach Italien zurück gegen Alarich, der vor Mailand liegt. Wir wissen nicht, bis wohin der ostgermanische Einbruch in Rätien gelangt ist. Aber es ist doch jedenfalls nicht ausgeschlossen, dass un- sere beiden Kämme durch diesen Vorstoss nach Schaan kamen. Und ebenso ist es nicht nur denkbar, sondern sogar recht wahrschein- lich,, dass Stilicho die Besatzung von Schaan auf seinem Zuge sofort . mitgenommen hat. Sein allgemeiner Befehl an die Grenztruppen, nach Italien zu marschieren um ihm gegen Alarich beizustehen, wurde im Verlaufe des gleichen Unternehmens ausgegeben. Er dürfte in diesem Moment um jeden Soldaten, der sein Heer vergrösserte, froh gewesen sein, und wenn sein Weg vom Comersee über den Splügen (oder Julier) nach Rätien ging, um dann über den Brenner zurückzuführen, so muss er in Schaan vorbeigekommen sein1). Über die Frage einer christlichen Gemeinschaft im Kastell wurde bereits in der Einleitung gehandelt. Da gar keine frühmittelalterlichen Gegenstände aufgetaucht sind, ist eine direkte Kontinuität der Kirchen- anlage von St. Peter durch nichts bewiesen2), so gerne man dies auch wahr haben möchte. ') Vgl. hierzu E. Stein, Gesch. d. spätröm. Reiches I (1928) 378. Noch etwas ausführlicher O. Seeck, Gesch. d. Unterganges der antiken Welt V (1913). 328 und 330 mit S. 572 f. Die einzige antike Quelle zu diesen Geschehnissen ist das Gedicht des Claudian über den Gothenkrieg. Den Passus von Stili- chos .Alpenübergang s. bei E. Howald und E. Meyer, Die römische Schweiz (1940) 153 f. ' 2) Vgl. D. Beck, 1958, 285 ff. und K. Heid, ebenda 324 ff., der alle Scherben, die ausser den spätrömischen bei der Ausgrabung in der Kirche gefunden wurden, als mittelalterlich bestimmen konnte. .
        

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