— 233 — Gegenständen, die während einer langjährigen 'Besetzungszeit liegen geblieben sind. In einer gleich grossen Grabungsfläche aus der frühen römischen Kaiserzeit wäre man auf eine weit grössere Menge von Funden gestossen. Aber für einen Siedlungsplatz des 4. Jahrhunderts ist das, was wir hier haben, schon viel. Das Vergleichsmaterial, das wir heranziehen können, stammt meist nicht von Wohnplätzen — denn die spärlichen Fundstücke sind vielfach gar nicht publiziert — sondern aus Gräbern. Auch zum Kastell Schaan muss ein Gräberfeld gehört haben, das man vielleicht später einmal finden wird. Grab- inventare vermitteln naturgemäss andersartige Einblicke als Siedlungs-. schichten. Bei einem zeitlich so geschlossenen Fundmaterial wie aus Schaan kömmt es nun nicht nur darauf an, einzelne Stücke herauszugreifen, die irgendwie besonders auffallen oder speziell zur Datierung geeignet sind, und es genügt auch nicht, nur für jede Gruppe von Gegenständen etwa ein typisches Exemplar heranzuziehen. Wir wollen darüber hinaus wissen, in welchem zahlenmässigen Verhältnis die einzelnen Fundgruppen zu einander stehen, denn nur dies ergibt ein lebendiges Bild dessen, was hier einst an Hausrat benutzt wurde, an Stelle einer abstrakten Typologie von Gegenständen. Ausserdem würde man auch noch gerne Aufschluss darüber haben, wie es mit der gleichen, zahlen- mässigen Vergesellschaftung von Kleinfunden verschiedener Gruppen an anderen Fundplätzen des 4. Jahrhunderts im näheren Bereich — also vor allem in Raetien — steht, um Schaan nicht isoliert sondern in seinem eigenen, historisch-geographischen Rahmen betrachten zu kön- nen. Der Versuch einer solchen vergleichenden Betrachtung im letzten Kapitel zeigt, dass wir uns hierfür vorläufig noch nicht auf genügend publiziertes Material stützen können. Die . Aussage, die unsere Funde als Gesamtheit machen, lässt sich etwa in folgender Weise zusammenfassen: Hinter den dicken, schützen- den Mauern des Kastells auf kleinen Raum beschränkt, sass eine Truppeneinheit,'die ihr einfach geformtes'Koch-'und Tafelgeschirr aus den Argonnen, Nordafrika, dem Veltlin und einigen ebenfalls nicht in nächster Umgebung gelegenen raetischen Töpfereien erhielt. Andere Truppenteile, in gar nicht weiter Entfernung, wie etwa in Zürich, Vindonissa oder den Rheinwarten, wurden in anderer Art und Weise mit Geschirr beliefert. Daraus ist deutlich zu sehen, dass diese Truppen
        

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