— 120 — Hornzapfen und Schädelslücke (Tab. 42) Es ist auffallend, daß sich unter über 2200 Rinderresten nur 20 Horn- zapfen- und 68 Hirnschädelstücke befinden, die erst noch bis auf we- nige Ausnahmen sehr dürftige Fragmente darstellen. Vielleicht sind diese Skeletteile zu kultischen Zwecken verwendet worden und darum zum größten Teil nicht auf uns gekommen. Eine andere mögliche Er- klärung liegt darin, daß Skeletteile, kurzerhand vor die Behausung geworfen, unter, den Füßen der Bewohner allmählich weiter zerklei- nert und in den Boden getreten wurden, wobei die dünnwandigen Schädelteile naturgemäß am meisten litten. Unter den Resten der Schussenriederschicht befindet sich ein vollständiger Hornzapfen (1/621, Abb. 19). Er ist sehr schlank und kaum gestielt, ein Perlenkranz fehlt. Der Querschnitt ist nahezu kreisförmig, die Abplattung also gering, eine Kante fehlt.. Der Zapfen war leicht kaudal gerichtet am Schädel 'angesetzt, der große Durch- messer etwas nach vorn geneigt; der Zapfen schwingt sich dann in einer Kurve nach außen vorn und aufwärts. Die äußerste Spitze ist noch etwas angehoben. Torsion ist kaum angedeutet. Die Knochen- substanz ist kompakt, hart und wenig porös. Der Zapfen weist, rund herum verteilt, Längsfurchen auf, sechs tiefe und'vier etwas seichtere; die tiefsten liegen vorn und unten. Gegen die Zapfenspitze verstreichen diese Furchen. Bis zur Spitze hinaus laufen tiefe Gefässrinnen. Auf- grund dieser Merkmale und. der aus Tab. 42 ersichtlichen Maße haben wir einen sog. brachyceren Zapfen vor uns. Die ausgeprägten Furchen und die Knochensubstanz zeigen ein altes Tier an. (J. U. DUERST, 1926 a, S. 77 — 79). Die geringe Größe und die auffallende Schlank- heit verraten ein weibliches-Tier (G. NOBIS, 1954, S. 162 f.). Die Tatsache, daß bei diesem Zapfen Längsfurchen rund herum auftreten und daß je eine Furche auf der Unterseite und auf der Seite der kleinen Kurvatur besonders tief ist, verdient, hervorgehoben zu werden. Sie zeigt, daß nicht allein- das Hornscheidengewicht, der Zug nach unten also, für die Ausbildung solcher Längsfurchen verantwort- lich gemacht werden kann, sondern daß noch andere Faktoren an deren Bildung mitwirkten. J. U. DUERST (1926, S. 83) nennt denn auch diese Furchen «die Folge des Abdruckes der' durch die Verschieden- heiten des Längenwachstums von Hornzapfen und Hornscheiden unter den verschiedenen Bedingungen des Lebens, Alters, Geschlechts und der
        

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