117 — bedeutenden Geschlechtsunterschied beim Ur verkannte und anderseits die enorme Vermannigfaltigung in Form und Größe bei und nach der Domestikation übersah bzw. nicht richtig in Rechnung setzte. Die Ar- beiten W. LA BAUMEs (1947, 1947 a, 1955) zogen schließlich den Schlußstrich unter diese Diskussion, welche seit den Anfängen der Haustierforschung die Gemüter erhitzt hatte. J. W. AMSCHLER (1939) hatte sie noch einmal angefacht, indem er von der (vermeintlichen) Auffindung eines wildlebenden Kurzhornrindes berichtete. Heute stim- men die meisten, wenn nicht alle führenden Forscher in der Ansicht überein, daß der Ur der alleinige Stammvater aller Rassen des Haus- rindes im engern Sinn, einschließlich der hornlosen Formen und der Zeburinder, ist (W. KOCH, 1954, S. 25; W. HERRE, 1949, 1958, S. 22; G. NOBIS, 1954, 1958; J. BOESSNECK, 1958, 1958 a). Gleichzeitig mit der Abstammungsfrage fand, auch das Problem der prähistorischen ;Rinderfassen eine Klärung: Angesichts der soeben er- wähnten Tatsachen — einheitliche Abstammung vom Ur, großer Ge- schlechtsunterschied, sehr große Breite der Variation in der Frühzeit der Haustierhaltung —• kann zumindest für Mitteleuropa nicht mehr von verschiedenen vorgeschichtlichen Rinderrassen gesprochen werden (E. DOTTRENS, 1947, 1947 a; G. NOBIS, 1954; J. BOESSNECK, 1958, S. 71,- 1958 a, S. 291). Dabei muß man sich vor Augen halten, daß wir unsere Ansichten bei der Beurteilung prähistorischer Tiere einzig auf die allein erhaltungsfähigen Knochen stützen müssen. Farbe, Form und Länge der Haare sowie die Ausbildung der. Weichteile fallen bei der Diskussion außer Betracht. Wenn bei der folgenden Besprechung des Materials dennoch die alten RÜTIMEYERschen Rassenbezeichnungen verwendet werden, so geschieht dies einzig aus Gründen der Vereinfachung: Jeder Kenner der einschlägigen Arbeiten weiß, was z. B. «brachycere und primigene Schädelmerkmale» sind. Solche Ausdrücke sollen also nur einen be- stimmten Merkmalskomplex charakterisieren und dürfen darum we- der phylogenetisch verstanden, noch als Rassendiagnose aufgefaßt werden. Die Aufgabe der vorliegenden Untersuchung ist es, an dem relativ reichhaltigen Rindermaterial die Größe, womöglich auch die Wuchsform und eventuelle weitere Charakteristika der Rinderpopu- lationen in den verschiedenen prähistorischen Epochen festzustellen, dabei vor allem die Breite der Variation abzustecken und mit Funden
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.