— "100 — Schon ein Jähr später wenden sich die in den Hexenprozessen ge- schädigten Untertanen an den Kaiser und melden, dass die Herrschaft die konfiszierten Güter nicht herausgebe, wozu sie vom Kaiser ver-' halten worden sei. . 1688 kam es zu einem Vergleiche mit der Herrschaft, in dem die beiden Parteien, Herrschaft und Landschaft, ihre finanziellen Pflichten gegenseitig festsetzten. Bald aber zeigt sich, dass die Herrschaft die übernommenen Pflich- ten nicht erfüllt, die Untertanen übernehmen Bürgschaften für Dar- lehen des Grafen, und die Gläubiger bedrängen sie'mit Exekutionen. Die Lage ist drohend, verhängnisvoll geworden, denn die Schulden mehren sich in> immer schneller werdendem Anstieg. Da wenden sich «Landammann, Gericht und gemeine Landschaft» an den Kaiser mit der Klage gegen Jakob Hannibal, und nun wird . eine Untersuchung angeordnet. Sie fiel so aus, dass der Kaiser sich veranlasst sah, -eine Zwangsverwaltung über die beiden Herrschaften einzusetzen, und Jakob Hannibal hatte fortan keinerlei Verfügungs- rechte mehr. Zu Administratoren wurden Bischof Franz Johann von Konstanz (der 1696 zurücktrat) und Fürstabt Rupert von Kempten er- nannt. Durch 20 Jahre, bis zum Verkauf von Vaduz, war die kaiser- liche Kommission nun an Stelle der Herrschaft getreten, und 1693 wur- den die Untertanen in Eid genommen, ihr als der rechtmässigen Ob- rigkeit zu gehorchen. In einem Schreiben vom 6. Mai 1692 wenden sich «Landammann. Gericht, und gesamte "Landschaft» in ihrer Not an den Fürstabt und , erklären, dass sie ihren' «einzigen und letzten Trost allein noch auf Euere hochfürstliche Gnaden setzen in Hoffnung, dieselben werden unseren miserablen Stand dergestalten beherzigen, dass sie uns arme, gleichsam in letzten Zügen unseres vor Augen stehenden totalen Ruins liegende Untertanen dero starke hilfreiche Hand reichen, damit wir um fremder Schulden willen nicht von Haus und Hof vertrieben und als arme Waisen ins bittere Elend gestossen werden». In unserer Geschichtsschreibung, auch bei Peter Kaiser, wird oft eingewendet, dass die kaiserliche Kommission keine Besserung. der Lage herbeigeführt-habe. Es war wirklich so,, wie die Subdelegierten einmal berichteten: Wer aus Steinen kein Geld schlagen und aus den Bergen kein Gold graben kann, der wird Vaduz nicht helfen können, weil er mit der Schuldenlast nicht fertig wird.
        

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