— 315 — Die Maske aus Nendeln In seinem Fundbericht über die Ausgrabungen der römischen Villa in Nendeln'berichtet Jenny von «Masken», die sich unter dem Fundgut befunden hätten (JbL 1903, 201). So lag im Landesmuseum in Vaduz beim Material aus der Nendler Villa stets eine grün glasierte Maske in Terrakotta von 7,8 cm Höhe und 7,1 cm grösster Breite. Die Rückseite ist unglasiert; und die Applike scheint aus einem grösseren Zusammen- hang ausgebrochen worden zu sein. Im leicht verschobenen Oval des Gesichtes sitzen zwei flüchtig modellierte Augen. Unter der zerschlagenen Nase lächelt angedeutet der Mund. Der Bart ist durch einige unregelmässige Kerben schwach markiert. Die Stirne ziert ein Band, über dem flache Buckellocken liegen, die seitlich scheinbar lose fallen. An der Halspartie liegt eine Binde von kräftigen Kerben in.Segmente unterteilt. Bei der letztjährigen Durchsicht des römischen Materials im Lan- desmuseum in Vaduz wurden über die römische Herkunft dieser Maske von verschiedener Seite Zweifel geäussert. Anstoss hiefür gab vorerst die Beschaffenheit der Glasur. Darauf untersuchte Prof. Dr. Layr-Belart die Maske und verneinte ihre römische Herkunft. Im Basler Heimatmuseum konnte durch Vermittlung von Prof. Laur die- Applike als ein vermutlicher Aufsatz einer Ofenkachel erkannt werden. Derartige Kacheln dienen vorzüglich als oberer Abschluss des Ofens, als Ofenbekrönung und wurden besonders im 16. und 17. Jahrhundert verwendet. Prof. Laur glaubt, dass unser kleiner Ofenschmuck durch Mistfuhre auf den Grabungsplatz gekommen sei, wo er dann von den Ausgräbern als römische Maske gefunden wurde. Sie dürfte aber ins Ende des 16. Jahrhunderts gehören. An bekannten und künstlerisch hochstehenden Öfen des 16. und 17. Jahrhunderts kann die Verwendung von Appliken, ähnlich der von Nendeln, gut verfolgt werden. Schöne Beispiele stehen im Schweize- rischen Landesmuseum in Zürich, und sie stammen meistens aus Winterthur (vgl. Schw. Landesmuseum Dep. 3093, sowie die Kacheln LM 17270). Bisweilen findet man verwandter Schmuck auch an Küchen- geschirr (wie an Henkeltöpfen und Schüsseln); in diesem Fall aber ist die Glasur meistens nicht grün. Georg Malin
        

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