— 19 — neten venetoillyrischer Herkunft zu sein scheint38. Zusammenfassend zeichnet sich folgende Entwicklung ab: Aus dem rätisch-illyrischen Lacus Venetus wurde in historischer Zeit der Bregenzersee. Hinter diesem Vorgang erfahren wir beim Wachstum des römisch-keltischen Brigantiums das Abdrängen der rätischen Vennoneten nach Süden. Statisch und ohne zeitliche Dimension kann dieses Problem gar nicht gelöst werden. Die völkische und stammesmässige Situation, wie sie die antiken Quellen aufzeigen, deckt sich ungefähr mit dem Raum karolingischer Unteramtsbezirke, eine Vermutung, die durch das Belassen der alten rätischen Stammesverfassung59 und durch die Kontinuität geschicht- licher Entwicklung von der Römerzeit bis ins frühe Mittelalter beson- deres Gewicht erhält. Die Hundertschaft in Planis gründete demnach auf dem kälukonischen Stamm, während das liechtensteinische Unter- land, das Alpen-Rheintal um Rankweil und der Walgau, kurz: das karolingische Ministerium Vallis drusiana den Vennoneten zugeteilt werden müsste69. Bei aller Lückenhaftigkeit-der Beweisführung spricht die innere Logik geschichtlicher Entwicklung für die Stichhaltigkeit des Dargelegten: Wie aus den karolingischeh Urkunden Vorformen späte- rer Territorialbildungen herausgeschält werden können,, so strahlt jede Urkunde auch rückwärts und beleuchtet den Entstehungsgrund. Dem eigentlichen Sonderdasein rätischer Stämme'hatten die Römer ein Ende gesetzt. Rätien war militärisches Grenzgebiet und von Mili- tärabteilungen durchsetzt. Zur Schwächung der Wehrkraft wurde' ein Grossteil der jungen Männer weggeführt und nur soviel in der Heimat gelassen, als die Bebauung des Bodens es erforderte01. Dann kehrte in Rätien relative Ruhe ein. Schon 6 oder 9 n. Chr. wurde das besondere Heereskommando für Vindelikien aufgehoben, und die römischen Le- gionen zogen an den Rhein ab. Eine einheimische Miliz übernahm den Schutz der Provinz62. An der rätischen Westgrenze aber drohten den 58. Ebert 11, 27; Pokorny 1938, 2; Venedi (Veneti) ursprünglich in Ostdeutsch- land wohnhafte Illyrier. Die germanische Bezeichnung für Slaven «Vinidiz» ist eine spätere Übertragung auf die Slaven, vgl. Pokorny 1938, 149. 59. vgl. Oechsli 1903, 70; Heuberger 1932, 116 ff. 60. vgl. LUB 1/1, 16 ff; LUB 1/2, 20 ff. (Perret). 61. Dio LIV, 22, 5; Heuberger 1932, 71 ff. 62. Stähelin 1948, 109; vgl. Cagriat 1892, 268, 308; Tacitus hist: I, 68.'
        

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