— 121 — einen anderen Vormund ersetzt werde oder der Kaiser aus eigener Machtvollkommenheit den Verkauf bewillige. Tatsächlich erliess der Kaiser einen Auftrag an den Grafen Königs- egg, die Vormundschaft abzulegen, damit der Verkauf von Vaduz «zur Richtigkeit gebracht werden könnte». Aber der Graf gibt sich nicht zufrieden: Durch seinen Anwalt gibt er seiner Befremdung Ausdruck, dass der Fürstabt den Kaufvertrag bereits aufgestellt häb'e und der Kauf schon so gut wie geschlossen sei. Er würde sich als Vormund des jun- . gen Grafen eine schwere Verantwortung aufbürden, wenn er mit dem Verkaufe sich einverstanden erklären würde, der nur Zwist unter ,den Verwandten geben könne und ausserdem nicht statthaft sei, weil Va- duz auf Grund des Testamentes des Grafen Kaspar von Hohenems ein Fideikommissgut, also praktisch unveräusserlich sei. Das bessere Einkommen nach dem Verkaufe von Vaduz ist kein stichhaltiger Grund, dass man eine so schöne Herrschaft, welche mit Sitz und Stim- me im Fürstenrate geziert ist, veräussern sollte. Es seien jetzt selten solche Grafschaften zu finden, und um 300 000 Gulden würde es ge- nug Käufer geben, denn man schätzt jetzt auch die Herrschaften sehr, die nicht leicht den Kriegswirren unterworfen sind. Die Grafschaft sei für die Familie mehr als Geld. Er ersucht den Kaiser, ihm entweder neben dem Fürstabt die Mitverwaltung einzuräumen oder ihn 
ganz zu entheben. Die Zustimmung zum Verkaufe von .Vaduz könne er jeden- falls nicht verantworten vor Gott, dem Kaiser und den Nachkommen der Grafen von Hohenems. Die Bedenken des Vormundes scheinen beim Kaiser doch gewirkt zu haben, denn nun zieht sich alles in die Länge. Die finanzielle Lage gibt eindeutig der Überzeugung des •Fürst- abtes recht: Eine Aufstellung über die Einnahmen und Ausgaben der Grafschaft Vaduz in den Jahren 1700 bis 1703 gibt ein katastrophales Bild: Es bleibt nicht so viel übrig, um die Zinsen der Schulden zu zahlen, von einer Abzahlung der Kapitalien kann keine Rede sein. Bestürzt wenden sich Landamann und Gericht von Vaduz im Jahre 1705 an den Kaiser, als sie hören, dass die Bündner und Feldkircher Schulden den Untertanen überbürdet werden sollen. Noch drücken die Schulden, die im Dreissigjährigen Kriege aufgenommen werden mussten, um sich von dem Schwedeneihfalle loszukaufen, die Kosten der Einquartierungen mit Reichs- und Kreisabgaben bestehen weiter, und das kleine Land ist von Graubünden und Österreich umgeben, wo
        

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