- 105 - befehlen, zur Tagsatzung mit den Gläubigern nach Feldkirch zu kom- men und dann wieder zum Militär einzurücken. Aus einer Eingabe der Wiener Hauptgläubiger des Grafen erkennen wir, dass er sich etwa anderthalb Jahre in Wien aufgehalten hat. Er wohnte bei seinem Advokaten (und bezahlte ihm keinen Gulden, so dass dieser schliess- lich eine Forderung von 2 400 Gulden anmeldete), er mietete von einem Goldchmiede ein Gespann für die ganze Zeit seines Aufent- haltes und blieb auch dies schuldig, er hielt zwei uniformierte Lakaien und zahlte ihnen keinen Lohn und war schliesslich beim Perücken- macher so viel schuldig, wie sein Landvogt Gehalt hatte ! Es ist also nicht zu verwundern, wenn man auch in Wien, wo man die Verhält- nisse nicht so genau kannte, im Reichshofrat von der «zugrunde eilen- den Familie Hohenems» schrieb. Am 6. Dezember berichten die Subdelegierten dem Fürstabt von Kempten von weiteren Verhandlungen. Das fürstliche Stift St. Gallen hat nun 75 000 Gulden geboten, jedoch aüsbedungen, dass ein Rückkauf nicht vor 70, 80 oder 100 Jahren solle stattfinden können. Den Abgeordneten des Abtes wurde vom höheren Angebote des Bischofs von Chur Kenntnis gegeben, und sie erklärten, nach St. Gallen berichten zu müssen. Nach eingeholter Instruktion zeigten sie dann an, «dass ihres gnädigsten Fürsten und Herrn fürst- liche Gnaden, nachdem sie den Calculam über den jährlichen Ertrag der Herrschaft Schellenberg gezogen . . . sich des widerruflichen Kau- fes gänzlich entschlagen und allein, da es auf einen perpetuierlichen Kauf ankommen sollte, dero fernere Deklaration vorbehalten».. Die Stellungnahme, des Fürstabtes von St. Gallen ist nicht verwunderlich, wenn man an die geringe Verzinsung des Kapitals denkt, das zum Kaufe notwendig ist, und dazu in Betracht zieht, dass eine Erwerbung auf Dauer noch nicht vorgesehen ist. Wir hören später nichts mehr von einem Interesse des Stiftes St. Gallen und seines Fürstabtes. Auf die «beweglichen Vorstellungen» der Subdelegierten erhöht der Bischof von Chur das Angebot auf 100 000 Gulden, jedoch unter der Bedingung, dass frühestens nach 70 Jahren ein Rückkauf möglich sein soll. Schliesslich erklärt er. aber doch, er wolle als Gevatter des Grafen Jakob Hannibal ihm und den Seinigen die Hoffnung eines Rückkaufes nicht nehmen. Wenn aber ein fester Verkauf Zustandekommen könne, dann werde er sich weiters erklären.
        

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