- 165 - • • Aber noch vor dieser kaiserlichen Entscheidung ist etwas Über- raschendes geschehen. Dr. Albert Schädler führt in seinen Regesfen zu den- Urkunden liechtensteinischer Gemeihdearchive (Jb. Bd. 8) eine Urkunde vom 24. März.1684 an. Die Inhaltsangabe lautet : «Die kaiser- liche Subdelegationskommission teilt den Untertanen mit, dass Graf Ferdinand Carl Franz von Hohenems auf kaiserlichen Befehl das Land verlassen hat und im Schloss Neuenburg sich befinde. Bis zum Aus- trag der Sache hat man sich jeder schimpflichen Rede über den Grafen bei Strafe zu enthalten». . . - ' • Was war geschehen, was bedeutet diese Nachricht ? • Schon 1682 lässt der Graf mit'der Konfiskation von Gütern hingerichteter Per- sonen fortfahren, als ob nichts geschehen wäre ! Der Fürstabt' ver- weist ihm das Unrecht in scharfen Worten und kassiert alle wider- rechtlichen Verfügungen. Wenn der Graf weiter so handelt, dann wird sich der Kommissar an den Kaiser wenden und die kaiserliche Ver- fügung wird dem Grafen zum Ruin und Verderben ausschlagen ! ,1683 sendet der Bischof von Chur ein Gesuch der Vaduzer Unter- tanen, in dem um Abhilfe gegen die Bedrückung des Grafen gebeten wird, direkt an den Kaiser und gibt ein Begleitschreiben bei. Er habe den Grafen schon schriftlich und mündlich ermahnt, sein Leben, das weder christlich noch gräflich ist, .nun anständig zu führen, doch sei alles früchtlos gewesen. Pfarrer von Kriss und die ehemals geflohenen Bürger wenden sich "neuerlich an den Kaiser und melden, dass die Güterkonfiskation wei: tergehe. Hundert unschuldige Waisen warten auf die kaiserliche, Ent- scheidung. Sie möge ein Akt gottgefälliger Gerechtigkeit werden. '.Im gleichen Jahre 1683 aber teilt der Kaiser seinem Kommissar in einem Schreiben mit, dass der- jüngere Bruder des Grafen (Jakob Hannibal, der letzte Hohenemser Graf in Vaduz)" an den Kaiser ge- schrieben habe. Sein Bruder Ferdinand Carl Franz führe ein «läster- liches und höchstä'rgerliches Leben mit täg- und nächtlichem'Schwär-' raen, Völlerei und Toben» und sauge die Untertanen aus. Nun geht dem Kaiser die Geduld aus. Er ermächtigt Fürstabt Rupert, den Grafen «an einen verwahrli'chen Ort, solchergestalt, dass er nicht entkomme und niemand keinen-Schaden zufüge» zu versor- gen ! Das ist ein klarer Haftbefehl gegen einen Regenten einer reichs- unmittelbaren Grafschaft, gewiss ein ganz aussergewöhnhcher'Fall. • Und Fürstabt Rupert handelt danach.
        

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